Am Central Pennsylvania Youth Ballet tanzen Wissenschaft und Ästhetik einen Pas de deux: Unter akademischer Anleitung erfahren zukünftige Ballerinen, wie Sprünge oder Drehungen mit Hilfe Newtonscher Mechanik für den Tänzer einfacher werden und für den Betrachter schöner aussehen. Dabei steht den Eleven ein echter Physikprofessor zur Seite: Kenneth Laws sorgt dafür, daß seine Schüler nicht nur Jetés oder Fouettés beherrschen, sondern auch die dahinterstehenden physikalischen Prinzipien. Dank des 63jährigen Festkörperphysikers, der hauptberuflich am Dickinson College in Carlisle, Pennsylvania, lehrt, wissen die jungen Tänzer mehr über Trägheitsmoment, Winkelgeschwindigkeit und Drehim- pulserhaltungssatz als so mancher Erstsemester-Student. „ Die meisten Ballettschüler verziehen ihr Gesicht, wenn ich sie zum ersten Mal mit physikalischen Konzepten konfrontiere”, berichtet Laws, dessen ungewöhnliche Ballettkurse landesweit bekannt und beliebt sind. Offenbar hält die Skepsis nicht lange an: Laws konnte schon einige seiner ehemaligen Ballettschüler für ein naturwissenschaftliches Studium begeistern. Seit gut 15 Jahren tauscht Laws zwei- bis dreimal die Woche den Hörsaal gegen den Tanzsaal. „Physik ist meine Berufung, Ballett meine große Leidenschaft.” Die entdeckte Laws erst im Alter von 40 Jahren, als seine Kinder ihn zu ihrem Ballett- unterricht mitnahmen. Seitdem ist Laws vom Ballettfieber infiziert und trainiert selber bis zu zehn Stunden pro Woche. Nebenbei schreibt er Bücher über die Biomechanik des Tanzens. Seine Philosophie: „Tanz ist einfach die schönste Form der angewandten Physik.”
Kenneth Laws





