bdw: Was sind für Sie die schwierigsten Probleme oder Herausforderungen in den Wissenschaften? STEINHARDT: Wie können Menschen überlichtschnell reisen und überleben? Das ist die einzige Möglichkeit, das fernere Universum zu erforschen. Was steckt wirklich hinter dem „Kollaps der Wellenfunktion” und der quantenphysikalischen Unbestimmtheit? Und welche neue Mathematik oder Logik brauchen wir, um Gödels Theorem zu überwinden, also die Unbeweisbarkeit der Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit formaler Systeme? Ich denke, bei diesen Themen sind wir völlig stecken geblieben. Ich würde keine Hilfe bei Problemen wollen, die wir eines Tages selbst lösen könnten – das würde den ganzen Spaß verderben. bdw: Mögen Sie Ihr Modell des Zyklischen Universums aus philosophischen Gründen? STEINHARDT: Ich bin ein kaltherziger Pragmatiker. Ich kümmere mich um philosophische Argumente erst nach den Fakten, und dann interessieren mich frühere Ideen. Aber ich lasse mich ganz von den Daten antreiben: Wie kann man am effizientesten erklären, was man beobachtet? Welche Beobachtungen entscheiden zwischen alternativen Erklärungen? Ich glaube nicht, dass wir das Universum zu unseren Lebzeiten verstehen werden. bdw: Kosmologie führt rasch zu philosophischen Fragen. Welche Konsequenzen hat das moderne Weltbild für unser Verständnis vom Weltall und unseren Platz darin? STEINHARDT: Je besser wir das Universum verstehen, desto unwahrscheinlicher ist es, einen Sinn, Plan oder Zweck des Universums zu sehen, wenn es einen gibt. Und desto mehr erkennen wir, wie begrenzt unsere Fähigkeiten sind, es zu erforschen, denn wir können nur einen winzigen Ausschnitt erblicken.





