Denn Kometen geben den Astronomen noch immer Rätsel auf. Daran haben auch ein halbes Dutzend Raumsonden nicht viel geändert. 2005 hatte eine Sonde erstmals direkten Kontakt mit dem Kern eines Kometen: Deep Impact besuchte Tempel 1. Bei diesem Experiment schossen die NASA-Forscher einen knapp 400 Kilogramm schweren Einschlagskörper von Deep Impact ab, der sich mit 37 .000 Kilometern pro Stunde in den kartoffelförmigen, rund sechs Kilometer großen Kometenkern rammte. Je nach der Härte des oberen Kernmaterials erwarteten die Wissenschaftler einen Krater zwischen 60 und 240 Meter Durchmesser.
Doch die Wunde des Kometen Tempel blieb verborgen, weil unerwartet viel Staub aufgewirbelt wurde. Die Wolke versperrte den Blick der Kameras auf den frischen Krater. Hatte das Geschoss eine Stelle getroffen, die meterdick mit Staub bedeckt war? Der Kontrollbesuch einer anderen US-Sonde sechs Jahre später brachte ebenfalls nur undeutliche Bilder der Einschlagsstelle. Pech für Philae, denn die Gestalt des Kraters hätte Aufschluss über die Stabilität der Oberfläche eines Kometenkerns geben können. So ist sie die große Unbekannte bei der Lande-Mission der Europäischen Raumfahrtagentur ESA im November.
Probe aufs Exempel
Um sich auf das gewagte Manöver vorzubereiten, sind deshalb Analysen auf der Erde nötig. Und so experimentiert der Physiker Jürgen Blum in seinem Labor an der Technischen Universität Braunschweig mit “Analog-Materialien”. So nennen Experten künstliche Stoffe, die helfen sollen, die Bedingungen auf der Oberfläche eines Kometen aufzuklären. Die Analog-Materialien werden aus feinsten Glaspartikeln mit Durchmessern um 0,001 Millimeter hergestellt, die man im Labor zu millimetergroßen Strukturen verklumpen lässt. Sie fügen sich in einer Experimentierröhre zu einer lockeren Schüttung zusammen, die ähnliche mechanische Eigenschaften wie Kometenmaterie haben soll. Dieser “Kometenstoff” wird dann weiter untersucht. Entscheidend für den Landeerfolg wird sein: Wie stabil ist die Oberfläche? Wie tief ist die oberste Staubschicht? Und wie weit wird Philae darin voraussichtlich einsinken?
“Genau wissen wir das nicht”, räumt Blum ein. “Aber unsere Experimente lassen erwarten, dass die oberste Staubschicht nur wenige Zentimeter ausmacht.” Das Eis, das in dieser Schicht steckte, ist weitgehend ins Weltall verschwunden, vermutet er. Ähnlich tief werden Philaes Landebeine einsinken, erwartet der Forscher. Die Oberfläche vergleicht Blum mit einer Anschüttung millimeterfeiner Styroporkügelchen. Unter der dünnen Oberflächenschicht sollen sich Eis und Staub mischen, aus denen sich der Himmelskörper einst gebildet hat. Wird Philaes Bohrer dort eindringen können? “Kein Problem”, meint Blum, “den Widerstand des Bodens wird er leicht überwinden.”







