Der Planeten-Mann
Als Kind hat Jürgen Blum den Sternenhimmel durchs Teleskop betrachtet. Inzwischen will es der Professor für Geophysik und Extraterrestrische Physik an der Technischen Universität Braunschweig noch genauer wissen: Welche Kräfte sind wirksam, wenn aus einem Gemisch von Gas und winzigen Staubteilchen riesige Planeten entstehen?
Nach seinem Physik-Studium in Gießen und Heidelberg begann Blum am Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik die Entstehung von Planeten im Experiment zu simulieren. Doch die benutzten einen Mikrometer kleinen Staubagglomerate wollten einfach nicht zusammenfinden. Erst 1992 – Blum war an die Max-Planck-Arbeitsgruppe nach Jena gewechselt – erkannte er: Wenn man die Geschwindigkeit, mit der die winzigen Partikel zusammenstoßen, auf unter einen Meter pro Sekunde reduziert, bleiben sie aneinander haften. Weltraumexperimente bestätigten Blums Messungen.
Vollständig geklärt ist die Geburt von Planeten damit jedoch nicht. Bislang können die Wissenschaftler nur faustgroße Klumpen entstehen lassen. Doch Blum, der seit knapp zwei Jahren in Braunschweig lehrt, bleibt hartnäckig. In Parabelflügen und im gerade ausgebauten Fallturm der Universität Bremen setzt er die Planeten-Partikel bei verschiedenen Experimenten immer wieder der Schwerelosigkeit aus. „Die Schwerkraft wird erst bei Körpern mit einem Durchmesser von etwa einem Kilometer wirksam”, erklärt der 43-jährige Hesse aus Hirzenhain. „Die entscheidende Frage ist: Was hält die Gebilde vorher zusammen?”





