Den Untersuchungen der Paläontologen um Shoji Hayashi von der Universität Bonn zufolge dienten in den Wachstumsphasen die eigenen Skelettknochen als Mineralquelle. Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie die Beinknochen zahlreicher Ankylosaurier unter die Lupe genommen. Dabei fanden sie Anzeichen für einen extremen Umbau während der frühen Wachstumsphase. „In den ersten Lebensjahren wurde das ursprüngliche Knochenmaterial weitgehend durch Sekundärknochen ersetzt”, erklärt Shoji Hayashi. „Wir finden also einen Abbau, der später wieder kompensiert wurde.” Solch ein extremer Umbau sei bei Dinos äußerst ungewöhnlich. „Wir vermuten, dass die Tiere so ihren hohen Mineralienbedarf bei der Bildung des Panzers deckten”, sagt Hayashi. In dieser Zeit litten sie also zumindest phasenweise unter Osteoporose. Sobald die Panzerung komplett war, wurde der Knochen in den Extremitäten wieder verstärkt, glauben die Forscher.
Keine morschen Knochen
Eigentlich ist sekundäres Knochenmaterial – Anatomen sprechen auch von „Havers’schem Knochen” – in der Regel relativ brüchig. Dass ältere Menschen häufig „morsche” Knochen haben, ist unter anderem auf diesen Effekt zurückzuführen. Bei Ankylosauriern war der Havers’sche Knochen aber durch eingewebte Bindegewebsfasern verstärkt, zeigten die Feinanalysen der Fossilien. Das sorgte für zusätzliche Stabilität. Das gleiche Konstruktionsprinzip kennt man übrigens auch von modernen Verbundwerkstoffen, wie sie etwa in den Rotoren von Windkraftwerken oder auch in schusssicheren Westen zum Einsatz kommen.
Den Forschen zufolge steckt in ihren Befunden auch noch ein weiterer interessanter Aspekt: „Der hohe Anteil von sekundärem Knochenmaterial in Ankylosauriern stützt die Theorie, dass die Vertreter dieser Dino-Gruppe warmblütig waren”, sagt Co-Autor Martin Sander von der Uni Bonn. Umbauprozesse in Knochen seien nämlich für Warmblüter typisch. Vermutlich liegt das an ihrem schnelleren Stoffwechsels, sagen die Wissenschaftler. Als Warmblüter wäre die Aktivität der Ankylosaurier nicht an die Umgebungstemperatur gebunden gewesen. Also hätten sie auch bei kühler Witterung flinke Keulenschlägen austeilen können.





