Die Akkretionsscheiben, so glauben viele Astronomen, liegen nicht unbedingt in der gleichen Ebene, in der sich die beiden Sterne umkreisen. Diese Neigung führt dazu, das solche Akretionsscheiben Wellenbewegungen vollführen. Wenn die Materie in der Scheibe außerdem klumpig verteilt ist, kann sie unter bestimmten Bedingungen instabil werden und unter Abgabe von Röntgenstrahlung ins Schwarze Loch stürzen. Da sowohl Neutronensterne als auch Schwarze Löcher selbst nicht zu sehen sind, kann das Verhalten der Akkretionsscheibe mehr über ihr Verhalten aufklären. “Noch ist es uns ein Rätsel, wie die periodischen und zufälligen Komponenten in diesem System zusammenhängen”, so Smale. Die beiden Forscher wollen nun weitere Doppelsternsysteme unter die Lupe nehmen.
Neutronensterne und Schwarze Löcher, die zu einem Doppelsternsystem gehören, senden Röntgenstrahlung aus, deren Intensität zufällig schwankt. Jetzt haben Patricia Boyd und Alan Smale vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Maryland in dem chaotischen Muster ein Ordnungsprinzip entdeckt: Die Zeit zwischen zwei Strahlungsminima ist immer das Vielfache einer bestimmten Zahl, berichteten die beiden auf der Tagung der American Astronomical Society im kalifornischen Pasadena. Welches Vielfache als nächstes kommt, ist jedoch völlig zufällig.
Die Forscher beobachteten für ihre Studie die Röntgenstrahlung dreier Doppelsternsysteme mehrere Jahre lang mit dem Nasa-Satelliten Rossi X-ray Timing Explorer. Das entdeckte Muster, so hoffen sie, kann ihnen neue Einblicke in so genannte Akkretionsscheiben geben, in denen die Materie um Schwarze Löcher und Neutronensterne sich vor dem endgültigen Absturz sammelt. “Das ist so ähnlich wie bei einem Würfel”, sagte Boyd auf der Tagung. “Nach einer großen Zahl von Würfen sagt uns das Ergebnis etwas über die Geometrie des Würfels, das er nämlich sechs gleich große Seiten besitzt.” Genauso könne die gefundene Regelmäßigkeit in der Strahlung etwas über die Geometrie und die Dynamik des Doppelsternsystems enthüllen.
Ute Kehse





