Im September 2011 verkündeten Schlagzeilen weltweit, dass Myon-Neutrinos, die über mehrere Jahre vom CERN bei Genf zum 730 Kilometer entfernten OPERA-Detektor geschossen wurden, vielleicht die Vakuum-Lichtgeschwindigkeit um 0,0025 Prozent übertroffen hätten. Die geisterhaften Elementarteilchen, die mit Materie kaum wechselwirken, besitzen eine geringe Masse und dürften deshalb der Speziellen Relativitätstheorie zufolge nicht einmal lichtschnell sein.
Die meisten Physiker reagierten skeptisch auf die Nachricht. Im Februar 2012 wurde dann bekannt, dass ein lockerer Lichtleiter-Stecker, der GPS-Signale an OPERA schickt, geringe Signalverzögerungen verursacht hatte, und dass ein Taktgeber der OPERA-Hauptuhr nicht exakt lief. Diese Fehler täuschten die Überlichtgeschwindigkeit wohl vor. Neue Messungen waren nötig. Im Mai 2012 produzierte das CERN wieder Neutrinos. Gleich vier Experimente im Gran Sasso registrierten sie: neben OPERA auch ICARUS, LVD und Borexino. CERN-Forschungsdirektor Sergio Bertolucci stellte die vorläufigen Resultate im Juni auf einer Konferenz im japanischen Kyoto vor: Demnach sind alle Daten miteinander vereinbar und zeigen eindeutig, dass die Neutrinos nicht überlichtschnell waren. Auch das korrigierte OPERA-Experiment maß eine realistische Geschwindigkeit.





