Normalerweise schwankt die Sonnenaktivität in einem elfjährigen Rhythmus. Auf dem Höhepunkt des Zyklus ist die Sonnenoberfläche von dunklen Flecken übersät. An diesen schwarzen Stellen ist das Magnetfeld der Sonne besonders stark. Häufig steigen von den Sonnenflecken glühende Protuberanzen und Sonnenfackeln auf, manchmal schleudern sie auch gewaltige Plasmablasen ins All.
In den letzten Jahren haben sich die Flecken jedoch rar gemacht. Die Sonne erlebte von 2007 bis 2010 ein ausgedehntes Aktivitätsminimum. Erst im vergangenen Jahr stieg die Aktivität wieder an, doch Prognosen zufolge wird das kommende Maximum, das für 2012 oder 2013 erwartet wird, eher schwach ausfallen. Zyklus Nummer 25 könnte sich sogar noch bescheidener entwickeln. “Der Beginn könnte sich um einige Jahre verzögern, oder der Zyklus könnte ganz ausfallen”, sagt Hill.
Für diesen Trend gibt es mehrere Anzeichen. So müssten sich im Sonneninneren bereits jetzt bestimmte Strömungen zeigen, die den neuen Zyklus einläuten. Doch bis jetzt ist keine Spur davon zu erkennen, berichtete Hill in New Mexiko. Auch das Magnetfeld der Sonnenflecken wird schon seit Jahren schwächer. Wenn sich der Trend fortsetzt, reicht die Magnetfeldstärke im nächsten Zyklus nicht mehr aus, um sichtbare Sonnenflecken zu erzeugen.
Eine weitere Anomalie zeigt sich in der Korona der Sonne. Diese heiße Hülle wird von etwas kühleren Regionen durchsetzt, den so genannten koronalen Löchern. Normalerweise wandern diese Löcher während des solaren Minimums zu den Polen der Sonne, doch dieser Marsch hat sich verzögert. In der Korona befinden sich daher immer noch magnetische Überreste des vorigen Zyklus mit der Nummer 23. “Vielleicht ist der derzeitige Zyklus zu schwach, um diese Reste zu verdrängen. Das wäre ein großes Dilemma für die Theoretiker”, sagt Richard Altrock vom Air Force Research Laboratory. “Niemand weiß, wie sich die Sonne dann verhalten wird.”





