bdw: Welche Rätsel der modernen Kosmologie faszinieren Sie am meisten? BLOME: Wie ist die Zeit in die Welt gekommen? Ist eine zeitlose Welt überhaupt existenzfähig? Warum gibt es den Kosmos mit seinen Sternen überhaupt? Und dann die alte Frage Einsteins: Hatte Gott irgendeine Wahl bei der Erschaffung der Welt? Ist der Kosmos also der einzig stimmige, oder gibt es andere Möglichkeiten, die auch ins Dasein kamen oder die nicht realisierbar wurden? bdw: Was motiviert Sie, das Universum zu erforschen? BLOME: Das Ziel der Wissenschaft ist, den Kosmos auf der Grundlage physikalischer Gesetze zu verstehen. In einem seiner letzten Interviews sagte Albert Einstein ungefähr: „Die Naturgesetze sind wie ein Licht am dunkeln Ort und sind die Leitplanken für das Denken. Aber dass einem etwas klar wird, ist ein Sprung jenseits der Formeln, die man aufs Papier geschrieben hat.” Als ich während des Studiums eines Nachts die Keplerschen Gesetze auf der Grundlage der Newtonschen Dynamik nachvollzogen habe, hatte ich sie für mich wiederentdeckt, obwohl sie natürlich vorher bekannt waren. bdw: Der Dichter John Keats wollte sich nicht mehr an Regenbögen erfreuen, als Isaac Newton sie erklärt hatte. Entzaubert die Kosmologie gleichermaßen die Welt? BLOME: Das Erlebnis des Sternenhimmels und die Tatsache, dass unsere Existenz entscheidend von dem präzisen Ineinandergreifen der Naturgesetze und -konstanten abhängt, bedeutet für mich, dass der Kosmos immer noch mysteriös ist. Ich halte es mit Albert Camus, der gesagt hat: „Es gibt einen verborgenen Sinn in der Welt, den es zu entziffern gilt, aber der Himmel scheint so hell, dass wir ihn nur schwer entziffern können.” Ich denke und hoffe, dass es diesen Sinn gibt.





