Ein merkwürdiger Stern ist Forscher um Martin Barstow von der University of Leicester ins Netz gegangen: Die Oberfläche des weißen Zwergs H1504+65 besteht vor allem aus Sauerstoff und Kohlenstoff und ist praktisch frei von Wasserstoff und Helium, den wesentlichen Bestandteilen anderer Sterne. Das ist noch nie bei einem Stern beobachtet worden, schreiben Barstow und seine Kollegen in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift “Astronomy & Astrophysics.
Weiße Zwerge entstehen, wenn einem Stern von der Größe der Sonne nach und nach der Brennstoff ausgeht. Wenn Wasserstoff und Helium im Innern des Sterns verbraucht sind, sprengt er seine äußere Hülle ab. Zurück bleibt ein Kern aus Sauerstoff und Helium, der in sich zusammenfällt und sich dabei extrem aufheizt. Da ein weißer Zwerg keine Energiequelle mehr hat, kühlt er immer mehr ab und erlischt schließlich.
H1504+65 ist mit einer Temperatur von 200.000 Grad so heiß wie kein anderer bekannter weißer Zwerg. Die Forscher schließen daraus, dass H1504+65 sein Leben erst vor etwa hundert Jahren ausgehaucht hat. Mit dem Röntgenteleskop Chandra und dem Ultraviolett-Teleskop Fuse blickten sie direkt auf die nackte Sternenleiche. “Indem wir die Asche dieser toten Sterne untersuchen, erfahren wir, wie Sterne wie die Sonne ihr Leben leben und schließlich sterben”, sagt Hauptautor Martin Barstow. Auch Mitverfasser Klaus Werner von der Universität Tübingen ist begeistert über die Entdeckung: “Dieser Stern hat erst vor sehr kurzer Zeit aufgehört, Kernfusion zu betreiben. Wir schauen sozusagen direkt auf den erloschenen Reaktor des Sterns.”
Die Aufnahmen des Röntgenteleskops Chandra zeigten, dass das Element Magnesium in größeren Mengen auf dem toten Stern vorhanden ist. Das bestätigt die theoretischen Überlegungen, dass manche Sterne ihr Leben durch die Fusion von zwei Kohlenstoffkernen zu einem Magnesiumkern verlängern. Da Magnesium aber auch bei der Helium-Fusion entstehen kann, müssten die Forscher auch noch Natrium nachweisen, um diese Theorie endgültig zu beweisen. Das wollen sie in diesem Jahr mit dem Weltraumteleskop Hubble versuchen.
Ute Kehse





