Die Suche nach extrasolaren Neutrinos könnte schon bald vereinfacht werden, wenn es nach dem Willen kalifornischer Forscher geht. Sie wollen den Mond als gigantischen Detektor einsetzen. Dies berichteten sie auf dem Frühjahrstreffen der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft.
Wenn Neutrinos sehr hoher Energie mit dem Mond wechselwirken, verursachen sie charakteristische Mikrowellenstrahlen. Diese könnten von Radioteleskopen auf der Erde nachgewiesen werden. Das Forscherteam von David Saltzberg hat entsprechende Experimente vor einigen Wochen begonnen, bis jetzt allerdings noch keine eindeutigen Schlussfolgerungen aus den gesammelten Daten ziehen können. Laborexperimente haben die der Mikrowellenemission zugrundeliegenden Theorien jedoch bereits bestätigt. Ein Erfolg beim Nachweis von Neutrinos scheint damit nur noch eine Frage der Zeit.
Von allen bisher bekannten Elementarteilchen sind Neutrinos aufgrund ihrer extrem kleinen Masse am schwersten nachzuweisen. Wenn sie von den Weiten des Universums mit sehr hoher Energie auf die Erde treffen, durchqueren sie diese meistens, ohne Spuren zu hinterlassen. Daher versuchten Forscher bisher, Neutrinos tief unter der Erde, so zum Beispiel in dem italienischen Gransasso Massiv nachzuweisen.
Der Mond könnte ihnen nun zu Hilfe kommen. Wenn Hochenergieneutrinos den Mond durchqueren, können sie beim Wiederaustritt aus dem Mond mit Atomen seiner Oberfläche wechselwirken und charakteristische Strahlung aussenden. Dies hatte bereits vor 40 Jahren der russische Physiker Gurgen Askaryan vorhergesagt. Das Forscherteam aus Los Angeles hat seine Theorien vor einiger Zeit mit Gammastrahlen, die in ihrer Wechselwirkung mit Materie Neutrinos fast gleichen, und mondgesteinähnlichen Gesteinsbrocken im Labor bestätigt. Dies lässt hoffen, dass schon bald Neutrinos mit Hilfe des Mondes nachgewiesen werden können.
Stefan Maier





