Silbern und majestätisch leuchtet der Mond am Nachthimmel, doch von Nahem betrachtet ist seine Oberfläche grau und schmutzig. Winzige, elektrostatisch aufgeladene Staubkörnchen sind auf dem Trabanten allgegenwärtig. Wie künftige Astronauten mit dem lästigen Staub fertig werden können, untersucht Mian Abbas vom National Space Science and Technology Center in Huntsville, Alabama.
Schon den Apollo-Astronauten bereitete der Mondstaub reelle Probleme: Er drang überall ein, und verunreinigte Werkzeuge und Raumanzüge. Wenn sich das dunkle Pulver auf Instrumente legte, überhitzten diese infolge der Absorption des Sonnenlichts durch den Staub.
Die Ursache dafür, dass der Mondstaub überall haftet, ist elektrostatische Anziehung. Die ultraviolette Strahlung der Sonne schlägt tagsüber Elektronen aus dem puderweichen Mondboden, so dass sich die einzelnen Teilchen positiv aufladen. Irgendwann werden die abstoßenden elektrostatischen Kräfte so stark, dass die einzelnen Staubteilchen wie Kanonenkugeln in die Höhe geschleudert werden, so dass sich eine Art vorübergehende Staubatmosphäre bildet ? so zumindest die Theorie.
Abbas setzt nun echte Staubteilchen vom Mond in einer Vakuumkammer ultravioletter Strahlung aus, um herauszufinden, ob sie sich dadurch tatsächlich aufladen. Das überraschende Ergebnis: Ultraviolettes Licht lädt den Mondstaub sogar zehnmal stärker auf als bislang gedacht. Und, ebenfalls anders als vermutet, entwickeln “große” Teilchen mit einem Durchmesser von ein bis zwei Mikrometern eine stärkere Ladung als kleine, etwa 0,5 Mikrometer große Partikel.
Als nächstes will Abbas in seiner Vakuumkammer herausfinden, wie sich der Mondstaub bei Nacht verhält. Da die Apollo-Astronauten jeweils vor Sonnenuntergang wieder abreisten, ist darüber nichts bekannt. Es wird aber vermutet, dass sich die Teilchen dann negativ aufladen. Denn nachts schlagen Elektronen aus dem Sonnenwind auf der Mondoberfläche ein. Welche merkwürdigen Eigenschaften die Staubteilchen dann entwickeln, dürfte zukünftige Astronauten stark interessieren. Sie sollen schließlich mehr als nur einen Mondtag auf dem Trabanten bleiben.
Ute Kehse





