Die extremen Temperaturverhältnisse des Jahrhundertsommers 2003 werden sich in Zukunft häufen. Ein Forscherteam aus der Schweiz hat jetzt die Ergebnisse von sechs aktuellen regionalen Klimamodellsimulationen mit acht älteren Berechnungen verglichen und neue Vorhersagen getroffen: In Verlauf dieses Jahrhunderts treten die sommerlichen Hitzewellen in Europa mit zunehmender Häufigkeit und Stärke auf. Die Zahl der Hitzewellen im Süden Europas steigt von Mitte bis Ende des Jahrhunderts von jährlich einer auf drei, in Deutschland erhöht sich die Rate immerhin noch von 0,4 auf 1,3. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung, insbesondere in südeuropäischen Stadtgebieten dürften äußerst schwerwiegend sein.
Durch die Hitzewelle im Sommer 2003 starben in Europa mehr als 40.000 Menschen. Anfang August erreichte die Temperatur in der portugiesischen Stadt Alentejo den historischen Höchstwert von 47,3 Grad Celsius. Besonders betroffen von den klimatischen Verhältnissen sind gesundheitlich schwache Bevölkerungsgruppen wie Kleinkinder und ältere Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Das höchste Risiko für die Gesundheit stellt eine Kombination dar von extremen Temperaturen zur Tages- und Nachtzeit, sehr hoher Luftfeuchtigkeit und das über mehrere Tage hinweg.
Christoph Schär und seine Kollegen von der ETH Zürich werteten sechs Simulationen aus dem Projekt Ensembles der Europäischen Union aus, die auf regionalen Klimamodellen mit einer Auflösung von 25 Kilometern beruhen. Die Ergebnisse wurden in Beziehung gesetzt zu den Daten von acht Simulationen eines vorangegangenen Mehrmodell-Szenarios. Dabei stießen sie auf erschreckende Ergebnisse. Im Süden Europas wird die Zahl der Tage mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius pro Jahr kontinuierlich ansteigen: Momentan sind es für die Iberische Halbinsel und den Mittelmeerraum durchschnittlich zwei Tage. Von 2021 an wird es dreizehn Extremhitzetage pro Sommer geben und in den Jahren 2071 bis 2100 dann 40. In Zentraleuropa, dem Deutschland zugeordnet ist, steigt die Zahl der Extremtemperaturtage von Mitte bis Ende des Jahrhunderts von vier auf zwölf. Parallel dazu dauern die Hitzewellen deutlich länger an als in diesem Jahrzehnt.
Besonders in dicht besiedelten Gebieten Südeuropas drohen der Bevölkerung nach Ansicht der Wissenschaftler verheerende gesundheitliche Folgen. In Großstädten wie Athen, Bukarest, Marseille, Mailand, Neapel und Rom ist die Luft oftmals heißer als in ländlichen Regionen, da Fahrzeuge, Asphalt und Gebäude Hitze zusätzlich speichern und die Luft auch nachts auf Temperatur halten. Während beispielsweise Rom von 2071 bis 2100 über 40 solcher tropischer Nächte erleben wird, beschert die Klimaerwärmung Deutschland rund zehn. Doch auch Flussgebiete und Küstenregionen dürften zu extremen Hitzespeichern werden: Aufgrund der niedrigen Höhenlage und der großen Nähe zu Gewässern und dem Meer fällt die Luftfeuchtigkeit nur wenig.
Christoph Schär (Eidgenössische Technische Universität Zürich) et al.: Nature Geoscience, doi: 10.1038/ngeo866 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan





