Im Frühling erwacht im Garten das Leben: Pflanzen treiben aus und strecken sich der Sonne entgegen, Bienen summen zwischen den Blüten umher und Vögel bauen ihre Nester. Gerade naturnahe Gärten können einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Doch selbst kleine Blumenkästen auf dem Balkon können zu Oasen des Lebens werden und eine Nahrungsquelle für Bienen, Schmetterlinge und weitere Bestäuber bieten.
Pflanzliche Vielfalt im Garten
Um das ökologische Potenzial von Gärten wissenschaftlich zu erfassen, hat die Universität Leipzig gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen 2025 das Citizen-Science-Projekt „GartenDiv“ gestartet. Bereits im ersten Projektjahr sind fast 170.000 Beobachtungen aus 2416 Gärten, Kleingärten, Schulgärten und Balkonen eingegangen. Dabei wurden 4458 Pflanzenarten erfasst, von denen 28 Prozent in Deutschland heimisch sind. Nun geht das Projekt in die zweite Runde: Zum Internationalen Tag der Biodiversität am 22. Mai sind Besitzer von Gärten, Kleingärten und bepflanzten Balkonen dazu eingeladen, die bei ihnen wachsenden Pflanzen zu dokumentieren – vom kleinsten Kraut bis zum größten Baum.
Innerhalb von vier Wochen, bis zum Sommerbeginn am 21. Juni, soll so ein möglichst umfassendes Bild der pflanzlichen Vielfalt in deutschen Gärten entstehen. „Mit den GartenDiv-Tagen schaffen wir die Grundlage, um Veränderungen in der Artenzusammensetzung über die Zeit sichtbar zu machen“, sagt Projektleiter Ingmar Staude vom Institut für Biologie der Universität Leipzig. „Im zweiten Jahr liegt ein besonderer Fokus darauf, Gärten möglichst vollständig zu erfassen. Teilnehmende sollen dazu ermutigt werden, alle Pflanzen in ihrem Garten aufzunehmen, ausdrücklich auch Obst- und Gemüsepflanzen, Wildpflanzen, auch die unscheinbaren Kräuter und kleinen Pflanzen, die man leicht übersieht.“
Wer teilnehmen möchte, kann sich die kostenlose App „Flora Incognita“ herunterladen und darin das Projekt GartenDiv auswählen. Dort beantwortet man einige Fragen zum eigenen Garten und erhält eine Garten-ID, anhand derer die Beobachtungen anonymisiert an die Forschenden übermittelt werden. Die einzelnen Pflanzen werden per Foto dokumentiert und von der App automatisch erkannt. Als Motivation hat das Projektteam virtuelle Abzeichen eingeführt: Wer mindestens 100 verschiedene Arten von Pflanzen im eigenen Garten dokumentiert, erhält das Goldene Badge.

Nisthilfen für Wildbienen im Fokus
Auch ein weiteres Citizen-Science-Projekt bittet um Mithilfe: Die Wildbiene + Partner GmbH, eine Ausgründung der ETH Zürich, ruft dazu auf, am Weltbienentag am 20. Mai, Nisthilfen für Wildbienen mit der App MyBeeHome zu fotografieren. Die App wertet aus, wie viele Nistgänge genutzt werden und liefert damit Hinweise auf erfolgreiche Wildbienen-Bruten. Die anonymisierten Ergebnisse sollen in einen Wildbienen-Report einfließen, der nach der Zählung ein möglichst flächendeckendes Bild der Situation in Siedlungsräumen der Schweiz und Deutschland zeichnen soll.
„Jedes fotografierte Bienenhotel ist ein wichtiges Puzzleteil“, sagt Tom Strobl von Wildbiene + Partner. „Wenn viele Menschen zeitgleich mitmachen, erhalten wir eine großflächige Momentaufnahme der verschiedenen Wildbienenpopulationen. Richtig spannend wird es, wenn wir diese Daten standardisiert über einen längeren Zeitraum erfassen: Dann können wir die Entwicklung der Populationen direkt mit externen Faktoren wie dem Klima, Lebensraumveränderungen oder dem lokalen Blütenangebot in Zusammenhang bringen.“
Beide Projekte wollen nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen, sondern auch die Umweltbildung fördern. So erhalten Teilnehmende in den jeweiligen Apps vielfältige Informationen dazu, was in ihren Gärten wächst und summt. „Mit der MyBeeHome App kann man nicht nur wertvolle Daten beitragen, sondern auch selbst entdecken, wer sich in den Niströhren des eigenen Bienenhäuschens verbirgt“, sagt Strobl.
Weitere Informationen zur Teilnahme:
GartenDiv
MyBeeHome
Quellen: Universität Leipzig; Wildbiene + Partner GmbH





