Britische Forscher wollen durch Maßnahmen der Wolkenbildung die Brutstätten von Wirbelstürmen über dem Meer gezielt abschatten, um die Wassertemperatur zu verringern. Das drosselt die Energiezufuhr tropischer Wirbelstürme, so dass sie um bis zu eine Kategorie abgeschwächt werden könnten, sagen Alan Gadian von der University of Leeds und seine Kollegen.
Hurrikans, Taifune oder Zyklone ? prinzipiell bezeichnen diese Begriffe alle das Gleiche, nämlich gewaltige Wirbelstürme. In den unterschiedlichen Regionen der Erde haben sie nur verschiedene Namen. Die Grundvoraussetzung für die Entstehung dieser Wetterphänomene sind Wassertemperaturen von über 26 Grad Celsius. Derartig warmes Wasser verdunstet in großen Mengen und steigt auf. Über der Meeresoberfläche entsteht somit Unterdruck, der weitere feucht-warme Luft nachsaugt, die den Sturm anheizt. Durch die Erddrehung gerät dann das ganze System in Rotation und bildet einen großflächigen Wirbel aus, der sich fortbewegt.
Schiffe sollen Wasser in Wolken sprühen
Der Schlüsselfaktor für die Kraft eines Wirbelsturms ist also die Wassertemperatur. Hier wollen die Forscher den Hebel ansetzen: “Wenn Sonnenlicht über dem Entwicklungsgebiet eines Wirbelsturms durch Wolken reflektiert wird, dann bleibt das Wasser kühler und dem Sturm steht somit weniger Energie zur Verfügung”, erklärt Alan Gadian. Mit einer Methode, die sich ?Marine Cloud Brightening? (Meeres-Wolken-Aufhellung) nennt, wollen die Forscher diesen Effekt künstlich verstärken. Dabei sollen
Schiffe Meereswassertropfen in die Wolken über den Bildungszonen der Wirbelstürme sprühen. Die Meersalzaerosole steigen dann auf und verwandeln sich in Kondensationskeime, an denen die Wolkentröpfchen wachsen. Dadurch werden die Wolken weißer und können mehr Sonnenlicht reflektieren. In der Folge könnte sich die Wassertemperatur um ein paar Grad verringern, zeigen die Computermodelle der Forscher.
Ähnliche Technologien wurden bereits erfolgreich eingesetzt, um Regen auszulösen. China ließ beispielsweise 2008 Silberjodid in Wolken schießen, um sie vorzeitig abregnen zu lassen, damit die Zeremonien der Olympischen Spiele in Peking nicht gestört wurden. Beim ?Marine Cloud Brightening? sei allerdings nun fraglich, ob es nicht das Wetter in unerwünschter Weise beeinflussen könnte, geben die Forscher zu. ?Es ist weitere Forschung nötig, bis klar ist, dass keine negativen Folgen für Niederschläge zu erwarten sind”, so Gadian.
Alan Gadian (University of Leeds) et al.: Atmospheric Science Letters, DOI: 10.1002/ASL.402 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg





