Neuer Starttermin der US-Raumfähre Endeavour ist der 11. Februar 2000. Der Shuttle soll um 18.30 MEZ zur Shuttle Radar Topologie Mission (SRTM) aufbrechen. Das Unternehmen war schon mehrfach verschoben worden, zuletzt wegen schlechten Wetterverhältnissen und Computerproblemen.
Die Endeavour soll die Erde auf eine neue Weise zu fotografieren: Zwei Kameras sollen ein dreidimensionales Bild der Erde einfangen. Die gewonnenen Daten werden präziser sein als alle bisher auf zivilen Missionen gesammelten topographischen Messergebnisse. Das Datenmaterial wird die Grundlage für Infrastrukturmaßnahmen in vielen, bis heute schlecht kartierten Ländern dieser Welt sein. Zugleich ist es die Basis für viele Anwendungen von der Umweltforschung bis zur Geologie, von der Gletscherkunde bis zur Landwirtschaft.
Zu den sechs Besatzungsmitgliedern der Endeavour gehört der deutsche Physiker und ESA-Astronaut Dr. Gerhard Thiele als “Missionsspezialist”. Hauptaufgabe der Crew wird es sein, die ungeheure Datenflut von 225 Millionen Bits pro Sekunde auf Magnetbändern zu sichern. Insgesamt sollen etwa 10 Terabyte an Informationen aufgezeichnet werden.
Stereo-Blick” auf die Erde Bei der SRTM-Mission wird die Erde erstmals gleichzeitig aus zwei unterschiedlichen Perspektiven mit Radar ins Visier genommen. Das Space Shuttle wendet bei den Messungen in einer Höhe von 230 Kilometern der Erde seinen Rücken” zu. Die geöffnete Ladebucht gibt dem zwölf Meter langen Haupt-Radargerät (Inboard-Antenne) den Blick auf den Globus frei.
Eine zweite, etwas kleinere Outboard-Antenne wird an einem 60 Meter langen Mast ausgefahren. Durch diese Konstellation kann man die Erde mit zwei Radaraugen” gleichzeitig betrachten.
Das Haupt-Radar sendet Mikrowellen zum Erdboden aus, wo sie reflektiert werden. Haupt- und Outboard-Antenne empfangen stereo” die zurückkommenden Signale. Durch die unterschiedliche Position der beiden Empfangsantennen ergibt sich ein Zeitunterschied in den empfangenen Signalen, aus dem mit aufwendigen Rechen- und Korrekturverfahren die Geländehöhe errechnet werden kann. Der gleichzeitige Stereo”-Empfang ist die wesentliche Neuerung dieser Mission. Bei früheren Missionen, wie im Jahr 1994, verwendete man nur die Inboard-Antennen und blickte somit einäugig auf die Erde. Um dennoch räumlich sehen zu können, war es nötig, die Daten von zwei aufeinanderfolgenden Überflügen (Repeat-pass-Interferometrie) zusammenzusetzen. Da zwischen zwei Überflügen immer einige Zeit verstrich, konnte sich die Erdoberfläche in der Zwischenzeit verändert und damit die Radar-Rückstreuung beeinflußt haben. Wenn beispielsweise Wind die Vegetation bewegt, Regen den Boden befeuchtet oder herantransportierte Luftmassen die Atmosphäre beeinflussen, dann ändern sich die Rückstreueigenschaften von Vegetation, Boden und Atmosphäre und damit verändern sich auch die Radarechos. Die Berechnung eines digitalen Höhenmodells wäre dann nicht möglich. Diese Probleme entfallen durch den simultanen Empfang mit zwei gleichzeitig empfangenden Radarsystemen.
SRTM ist ein Gemeinschaftsprojekt der NASA, der NIMA (National Image and Mapping Agency, USA), des DLR und der ASI (Italian Space Agency). Die zur DaimlerChrysler Aerospace (Dasa, München) gehörende Dornier Satellitensysteme GmbH ist industrieller Hauptauftragnehmer für die Entwicklung des Radar-Systems.
Die Top Six zur Mission:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Sonderseite des DLR mit aktuellen Informationen zur Mission
SRTM Live-Webcast – Die Mission live im Internet
NASA/JPL – Das Kontrollzentrum
NASA Quest – Die NASA kommt ins Klassenzimmer
Shuttle Reference Manual – Technische Beschreibung der Raumfähren
Die Erde – Fakten über den blauen Planeten





