Ein im Januar 2000 über dem Tagish See in Britisch-Kolumbien niedergegangener Meteorit ist das Forschungsobjekt zweier in dem Fachmagazin Science veröffentlichten Studien. Ihnen zu Folge stammt der Meteorit aus der Frühzeit des Universums. Obwohl er kleinere organische Verbindungen enthält, fanden Wissenschaftler in dem Meteoriten keine Vorkommen von Aminosäuren, den Bausteinen des Lebens.
Anfängliche Untersuchungen des vor mehr als einem Jahr in Britisch-Kolumbien aufgeschlagenen Gesteinsbrockens hatten bereits zu der Vermutung geführt, dass dieser wohl der älteste bisher bekannte Meteorit sei. In der Tat haben die zwei Studien ergeben, dass der Meteorit aus der Frühzeit des Universums stammt.
Sandra Pizzarello von der Universität von Arizona in Tempe untersuchte den kohlenstoffreichen Meteoriten auf organische Verbindungen. Er enthält viele kleinere organische Verbindungen, analog zu einer bestimmten Klasse von Meteoriten, den so genannten kohlenstoffhaltigen Chondriten. Im Gegensatz zu früheren Meteoritenfunden dieser Klasse kommen in dem Tagish Meteoriten allerdings keine Aminosäuren vor. Dies lässt die Gruppe zu dem Schluss kommen, dass das Vorhandensein von organischen Verbindungen auf Meteoriten selbst ein und derselben Klasse von deren individueller Entwicklung abhängig ist.
Neben organischen Verbindungen fanden die Forscher aus Arizona auch käfigartige Kohlenstoffverbindungen – so genannte Fullerene. Diese enthielten Helium- und Argongas in einem Verhältnis, das für das frühe Universum charakteristisch ist. Der Meteorit scheint damit in der Tat der bisher älteste seiner Art zu sein.
Eine Studie von Wissenschaftlern der Brown Universität um Takahiro Hiroi unterstützt diese Altersbestimmung. Sie untersuchten die Reflektivität von Bruchstücken des Meteoriten und konnten damit zeigen, dass dieser wohl von einer bestimmten Klasse von Asteroiden, den D-Asteroiden, abstammt. Diese kommen vor allem in den äußeren Bereichen des Universums vor.
Einer populären Theorie zu Folge könnte das Leben auf der Erde von organischen Verbindungen ausgegangen sein, die durch Meteoriteneinschläge auf die Erde gelangt waren. Daher ist die Erforschung von Meteoriten sowohl für die Astronomie als auch für die Entwicklungsbiologie von grundlegendem Interesse.
Stefan Maier





