Organische Materie hat sich direkt in den kalten Regionen unseres noch jungen Sonnensystems gebildet. Das belegen sogenannte Mikrometeoriten aus der Antarktis, die ein französisches Forscherteam untersucht hat. Typischerweise stammen organische Zusammensetzungen aus den interstellaren Staubwolken, in denen neue Sterne und Planetensysteme entstehen. Die mikroskopisch kleinen Gesteinsbrocken aus dem ewigen Eis enthalten zwar auch sehr große Mengen an organischem Material wie Kohlenstoff und außergewöhnlich viel Deuterium, doch sie bestehen auch aus kristallinen Mineralien. Und diese deuten darauf hin, dass die Mikrometeoriten ihren Ursprung in unserem Sonnensystem haben, berichten Jean Duprat von der Université Paris-Sud und seine Kollegen.
Ein Großteil der Erkenntnisse über die frühe Geschichte unseres Planetensystems stammt aus Laboruntersuchungen extraterrestrischen Materials. Dazu gehören Meteoriten aus dem Asteroiden-Hauptgürtel zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter, Eiskörper des äußeren Sonnensystems oder winzige interplanetarische Staubpartikel. Die Proben werden von Raumsonden zur Erde gebracht oder von Flugzeugen in der zehn bis fünfzig Kilometer hoch gelegenen Stratosphäre eingesammelt. Die Zusammensetzung der analysierten Materie gibt Aufschlüsse über physikalisch-chemische Prozesse, die in der Jugend unseres Sonnensystems stattgefunden haben.
Eine alternative Form der Probengewinnung haben hingegen Jean Duprat und Kollegen im Schnee des antarktischen Kontinents durchgeführt. Die Forscher filterten zwei sogenannte Mikrometeoriten aus 40 bis 55 Jahre altem Schnee in der Nähe der französisch-italienischen Polarstation Concordia und untersuchten die Zusammensetzung der nur einige Hundert Mikrometer großen Gesteinsbrocken. Die beiden Partikel 19 und 119 genannten Meteoriten enthalten große Mengen an Kohlenstoff sowie Deuterium, einem Isotop des Wasserstoffs. In den organischen Zusammensetzungen der Partikel wurden kristalline Phasen von Silikat entdeckt, ein charakteristisches Mineral, das während der Entstehung terrestrischer Planeten wie der Erde gebildet wurde.
Diese Befunde widersprechen der bisherigen Annahme, dass organische Materie mit einem hohen Deuteriumgehalt nur in molekularen Wolken im interstellaren Raum entsteht. Diese Gaswolken bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff und stürzen irgendwann aufgrund ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammen ? das kann zur Geburt eines neuen Sterns führen. Meteoriten oder andere Objekte, die durch diese Wolken fliegen, reichern sich dabei mit organischen Stoffen an. In diesem Fall sind jedoch unstrukturierte Silikate das vorherrschende Mineral. Die Wissenschaftler um Duprat gehen davon aus, dass antarktische Mikrometeoriten weitere Erkenntnisse über die kalten Regionen des frühen, sich gerade in der Entstehung befindlichen Sonnensystems liefern. Vielleicht entlocken die Forscher den Mikrometeoriten zukünftig weitere kosmische Anhaltspunkte darüber, wie die ersten organischen Verbindungen auf die junge Erde gelangt sind.
Jean Duprat (Université Paris-Sud) et al.: Science , Bd. 328, Nr. 5979, S. 742, doi: 10.1126/science.1184832 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan





