Eine alternative Form der Probengewinnung haben hingegen Jean Duprat und Kollegen im Schnee des antarktischen Kontinents durchgeführt. Die Forscher filterten zwei sogenannte Mikrometeoriten aus 40 bis 55 Jahre altem Schnee in der Nähe der französisch-italienischen Polarstation Concordia und untersuchten die Zusammensetzung der nur einige Hundert Mikrometer großen Gesteinsbrocken. Die beiden Partikel 19 und 119 genannten Meteoriten enthalten große Mengen an Kohlenstoff sowie Deuterium, einem Isotop des Wasserstoffs. In den organischen Zusammensetzungen der Partikel wurden kristalline Phasen von Silikat entdeckt, ein charakteristisches Mineral, das während der Entstehung terrestrischer Planeten wie der Erde gebildet wurde.
Diese Befunde widersprechen der bisherigen Annahme, dass organische Materie mit einem hohen Deuteriumgehalt nur in molekularen Wolken im interstellaren Raum entsteht. Diese Gaswolken bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff und stürzen irgendwann aufgrund ihrer eigenen Schwerkraft in sich zusammen ? das kann zur Geburt eines neuen Sterns führen. Meteoriten oder andere Objekte, die durch diese Wolken fliegen, reichern sich dabei mit organischen Stoffen an. In diesem Fall sind jedoch unstrukturierte Silikate das vorherrschende Mineral. Die Wissenschaftler um Duprat gehen davon aus, dass antarktische Mikrometeoriten weitere Erkenntnisse über die kalten Regionen des frühen, sich gerade in der Entstehung befindlichen Sonnensystems liefern. Vielleicht entlocken die Forscher den Mikrometeoriten zukünftig weitere kosmische Anhaltspunkte darüber, wie die ersten organischen Verbindungen auf die junge Erde gelangt sind.





