Der kleine Planet Merkur zieht einen 2,5 Millionen Kilometer langen Schweif aus Natrium-Atomen hinter sich her. Die orangefarbene Leuchtspur ist mehr als tausend mal so lang wie der Radius des Planeten, haben Jeffrey Baumgardner und seine Kollegen entdeckt.
In der rauen Umgebung in der Nähe der Sonne ist Merkur einer dauerhaften Erosion ausgesetzt. Natrium und andere Elemente werden durch einschlagende Teilchen des Sonnenwindes oder von Mikrometeoriten aus der Oberfläche herausgeschlagen und zerstäubt. Der Strahlungsdruck der Sonne treibt die aufgewirbelten Teilchen ähnlich wie bei einem Kometen schnell von Merkur weg. Natrium ist zwar nicht der Hauptbestandteil der Mineralien auf Merkurs Oberfläche, lässt sich aber besser beobachten als andere Elemente, weil es in angeregtem Zustand orangefarbenes Licht aussendet. Anders als bei Kometen ist das Leuchten des Schweifs aber zu schwach, um mit bloßem Auge gesehen werden zu können.
Bisherige Messungen hatten vermuten lassen, dass der Schweif nur 40.000 Kilometer lang ist, was etwa 15 Merkur-Radien entspricht. Baumgardner und seine Kollegen beobachteten Merkur nun mit mehreren hochempfindlichen Teleskopen und fanden heraus, dass die Teilchen vor allem von den hohen Breiten des Planeten stammen. “Wir waren sehr überrascht, dass der Schweif sich so weit erstreckt”, sagte Baumgardner. “Seine Länge kann zwar fluktuieren, aber hier haben wir es offenbar doch mit einem völlig neuen Bereich zu tun, über den wir erst nachdenken müssen.”
Die Bodenmessungen ergänzen die Daten, die die Sonde Messenger bei ihren Vorbeiflügen und von der Umlaufbahn aus erheben wird. Die Raumsonde hat den innersten Planeten des Sonnensystems am 14. Januar 2008 erstmals nach 33 Jahren besucht. Der nächste Vorbeiflug für den 6. Oktober angesetzt.
Jeffrey Baumgardner (Boston University) et al.: Geophysical Research Letters Bd. 35, L03201, doi:10.1029/2007GL032337, 2008 Ute Kehse