„Erstmals ist ein wissenschaftliches Observatorium in eine Umlaufbahn um den innersten Planeten des Sonnensystems eingeschwenkt. Das wird Merkurs Geheimnisse bald enthüllen. Wir werden daraus viel über die Entstehung und Entwicklung erdähnlicher Planeten lernen können”, sagte der wissenschaftliche Leiter Sean Solomon von der Carnegie Institution, Washington, am 18. März 2011. Kurz vorher hatten die Triebwerke der NASA-Raumsonde Messenger (Abkürzung von: MErcury Surface, Space ENvironment, GEochemistry, and Ranging mission) eine Viertelstunde lang die Sonde um 3100 Kilometer pro Stunde verlangsamt. Das brachte sie in einen elliptischen Orbit um den äußerlich mondähnlichen, mit Kratern übersäten Planeten.
Vorausgegangen war eine 7,9 Milliarden Kilometer lange Reise. Dabei flog die am 3. August 2004 gestartete Sonde auf einer verschlungenen Bahn einmal an der Erde und zweimal an der Venus vorbei. Auch ihr Ziel Merkur passierte sie mehrfach: am 14. Januar und 6. Oktober 2008 sowie am 29. September 2009. Anders hätte die Son- de nicht genügend abbremsen können, um einen schwierig erreichbaren Merkur-Orbit einzunehmen. Bei den Vorbeiflügen fotografierte Messenger zahlreiche Details der Oberfläche von Merkur, entdeckte Wasser in der dünnen Gashülle sowie Anzeichen einstiger vulkanischer Aktivitäten und eines flüssigen Planetenkerns.
Seit dem 4. April inspiziert Messenger den kleinsten Planeten im Sonnensystem von einer stark elliptischen Bahn aus. Sie kommt dabei 200 Kilometer an Merkur heran, der fernste Punkt hat eine Distanz von 15 000 Kilometern. Die Bahn wurde gewählt, um die Sonde die meiste Zeit vor der enormen Hitze des Planeten zu schützen. „Da die Sonnenaktivität gegenwärtig stetig ansteigt, sitzen wir in der ersten Reihe, um die dynamischste Magnetosphäre und Atmosphäre im Sonnensystem zu erforschen”, sagt Solomon.
Am 14. Juni wird die Sonde auf eine Kreisbahn umschwenken. Die 427 Millionen Dollar teure Mission soll mindestens bis zum März 2012 laufen. Vor Messenger wurde Merkur nur von der NASA-Sonde Mariner 10 besucht, die 1974 und 1975 dreimal an dem Planeten vorbeiflog. Dabei konnte sie nur 45 Prozent der Merkur-Oberfläche kartieren.
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de





