An was für Sparmaßnahmen denken Sie?
Das beginnt bei Glühlampen und ständigem Standby-Betrieb – da sind enorme Mengen an Kilowattstunden einzusparen. Es gibt zum Beispiel eine wunderbare Aktion von Schulkindern: Die betätigen sich als Energiescouts und suchen zu Hause nach Energiefressern. Die Kinder schließen mit ihren Eltern einen Vertrag, nach dem sie die Hälfte der eingesparten Stromkosten als Zusatz zu ihrem Taschengeld bekommen. Dabei kam heraus:
Zehn Prozent Strom einsparen kann praktisch jeder Haushalt, wenn er nur etwas sorgfältiger mit Energie umgeht.
Wenn Sie einen Leuchter haben mit zehn 60-Watt-Birnen und die jeweils durch 12-Watt-Energiesparlampen ersetzen, dann haben Sie statt 600 nur noch 120 Watt.
Aber das reicht doch nicht, um den Atomstrom zu ersetzen.
In Deutschland wird immer noch völlig unterschätzt, wie schnell wir erneuerbare Energien ausbauen können. Im Jahr 2011 könnten wir ohne weiteres zehn Gigawatt an Photovoltaik dazubauen, was uns dann jährlich neun Terawattstunden zusätzlich bringen würde. Zum Vergleich: Die deutschen Kernkraftwerke speisen insgesamt etwa 150 Terawattstunden ein. Das heißt, jedes Jahr können wir ein knappes Zehntel des Stroms aus Atomkraftwerken ersetzen durch Strom aus Photovoltaik. Natürlich scheint die Sonne nicht immer. Deshalb muss man über Vernetzung sprechen, über die Einbindung von anderen Quellen.
Welche sind das?
Mein attraktivster Vorschlag: Lasst uns eine vernünftige Abmachung mit den Ländern schließen, die Wasserkraft nutzen – mit der Schweiz oder mit Norwegen: Wenn bei uns die Sonne scheint und der Wind weht, liefern wir denen Strom, sodass sie ihre Talsperren aufstauen können. Wenn wir Strom brauchen, beziehen wir ihn von dort. Das ist für beide Seiten ein vielversprechendes Geschäft.
In Ihrer Studie verweisen Sie auf das bisherige Energiekonzept der Stuttgarter Landesregierung und sagen, das beruhe auf veralteten Zahlen …
Richtig. Dieses Energiekonzept beruht noch auf Zahlen, die etwa zehn Jahre alt sind. Die Photovoltaik ist seitdem aber in ihren Kosten drastisch gesunken. Alte Studien gehen noch von 40 Cent pro Kilowattstunde aus – in Wirklichkeit liegt die Erzeugung in Deutschland heute bei 20 bis 22 Cent. Und die Kosten sinken rasend schnell weiter.





