So weit, so bekannt. Aku Riihelä und seine Kollegen vom finnischen Meteorologischen Institut in Helsinki haben nun aber nicht die sinkende Albedo durch immer mehr offene Wasserflächen untersucht, sondern sie wollten wissen, ob und wie sich die Albedo der verbleibenden Meereisflächen verändert. Dafür werteten sie Satellitendaten aus, die zwischen 1982 und 2009 mit dem “Advanced Very High Resolution Radiometer” (AVHRR) an Bord des europäischen Wettersatelliten Metop aufgenommen worden waren. Um gezielt nur die Albedo der Meereisflächen zu vergleichen, schlossen die Forscher sowohl Landflächen als auch größere Bereiche mit offenem Wasser aus ihren Analysen aus.
Dunkler und löchriger
Das Ergebnis: Auch in scheinbar noch intakten Meereisflächen ist die Albedo in den letzten knapp 30 Jahren signifikant gesunken, wie die Wissenschaftler berichten. Am stärksten sei die Verringerung des Reflektionsvermögens dabei jeweils im August, dem jährlichen Höhepunkt der Eisschmelze. “Die Albedo im arktischen Ozean wird nicht nur durch das zurückgehende Meereis beeinflusst, sondern auch durch die Veränderungen des Eises selbst”, so Riihelä und seine Kollegen. Aber was genau verändert sich bei den Flächen?
Die Forscher führen die sinkende Albedo vor allem auf zwei Gründe zurück: Zum einen öffnen sich auch innerhalb der großen Eisflächen immer häufiger kleinere offenen Stellen und Spalten. Diese sind dunkler als die Umgebung und senken so die Reflektivität. Zum anderen aber sorgt das Tauwetter dafür, dass die Schneedecke auf dem Eis im Frühjahr immer früher abschmilzt und dass Schmelzwasserseen auf der Eisoberfläche entstehen. Da Schnee mehr Licht zurückwirft als blankes Eis, und flüssiges Schmelzwasser ebenfalls eine geringere Albedo besitzt, reflektieren die Eisflächen auch dadurch immer weniger Licht. Das Meereis wird quasi dunkler.
“Die verringerte Albedo ist damit sowohl Ursache als auch Folge der klimabedingten Veränderungen beim Meereis”, konstatieren die Forscher. Diese Erkenntnis sei wichtig auch für die Prognosen der künftigen Klimaentwicklung und helfe, die Klimamodelle weiter zu verbessern.





