Eine Gruppe von Paläontologen des Nationalen Naturkundemuseums in London hat die Verlässlichkeit von Fossilien aus der Zeit von katastrophenartigen Massensterben neu analysiert. Dabei kommen sie zu dem Schluss, dass das Ausmaß vieler Massensterben wohl um ein Vielfaches überschätzt worden ist. Ihre Schlussfolgerungen werden von neuen Fossilienfunden unterstützt.
Nach der Entdeckung neuer Funde versteinerter Seeigel aus der Kreidezeit – Millionen von Jahren nach deren angeblichem Aussterben – haben Paläontologen um Andrew Smith vom Nationalen Naturkundemuseum in London das Ausmaß einiger Massensterben erneut unter die Lupe genommen. Ihre Untersuchung des vor 94 Millionen Jahren stattgefunden sogenannten C-T (Cenomanian-Turonian) Massensterbens liegt nun vor und kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass mehr als 50 Prozent der angeblich ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten noch Jahrmillionen nach diesem Katastrophenereignis auf der Erde vorkamen.
Die Forscher warnen nun davor, fehlende Fossilienfunde automatisch mit dem Aussterben einer bestimmten Spezies gleichzusetzen. So könnten zum Beispiel auch starke Änderungen der Höhe des Meeresspiegels zu Zeiten eines “Massensterbens” dazu führen, dass einzelne Fossilien nach diesem Datum schlagartig nicht mehr vorkommen.
Im Laufe der Entwicklung unseres Planeten ist es zu fünf größeren Massensterben gekommen – so beispielsweise vor 65 Millionen Jahren mit dem Sterben der Dinosaurier, das die Grenze zwischen Kreide und Tertiär bildet. Daneben gab es aber auch ungefähr ein halbes Duzend kleinerer Katastrophen, die zu dem Aussterben vieler Tierarten führten. Besonders deren Ausmaß könnte den neuen Analysen zufolge stark überschätzt worden sein.
Stefan Maier