Es ist ein scheues Reh, das Neutrino – massenhaft vorhanden, aber nicht zu sichten. Dass es existieren muss, wissen wir vom Nobelpreisträger für Physik Wolfgang Pauli. Bei der Untersuchung des radioaktiven Beta-Zerfalls war er 1930 gezwungen, das Teilchen einzuführen.
Ohne elektrische Ladung, fast masselos, fast so schnell wie das Licht, sausen Neutrinos fast berührungslos durch alles hindurch. Ihre Zahl ist riesig. Die meisten dieser exotischen Teilchen stammen aus dem Urknall. Unsere Sonne schickt sekündlich billionenstarke Neutrinoschauer ins All, und radioaktive Zerfälle im Erdinneren liefern ständig Nachschub.
Ebenso faszinierend wie die Neutrinos selbst ist die Geschichte ihrer Entdeckung. Der britische Physiker Frank Close erzählt beides. Bewundernswert ist die Beharrlichkeit, mit der ein paar Physiker den extrem aufwendigen Nachweis für die Existenz des Neutrinos erbracht haben. Dafür gab es Nobelpreise. Nahezu vergessen, trotz bahnbrechender Beiträge zur Neutrinoforschung, ist dagegen der italienische Physiker Bruno Pontecorvo. Close räumt dem vor 19 Jahren in Russland verstorbenen Physiker nun den ihm angemessenen Platz in der Neutrinoforschung ein. Sein Buch ist informativ, spannend und dazu noch sehr gut übersetzt. Heinz Horeis
Frank Close NEUTRINO Springer Spektrum, Heidelberg 2012 233 S., € 19,95 ISBN 978–3–8274–2940–7





