Ob aber tatsächlich flüssiges Salzwasser die Marshänge hinab rinnt, ließ sich bisher nicht eindeutig beweisen. Denn die Linien sind so schmal, dass die Orbitalsonden ihre chemische Zusammensetzung bisher nicht von der Umgebung getrennt bestimmen konnten – die Auflösung der Instrumente reichte dafür nicht aus. Ojha und seine Kollegen haben nun jedoch eine Methode entwickelt, mit der sie das “Grundrauschen” in den spektralen Daten des Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) besser herausfiltern können. Dadurch wird es möglich, selbst aus einzelnen Pixeln der Aufnahme noch signifikante Informationen auszulesen. Diese Technik wendeten sie bei Daten aus den Kratern Hale, Horowitz und Palikir an, sowie in Coprates Chasma, einen Ausläufer des großen Schluchtsystems der Valles Marineris.
Erster eindeutiger Nachweis
Und tatsächlich: An allen vier untersuchten Orten fanden sich die spektralen Signale von Perchloraten in den dunklen Linien der Hänge. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass flüssiges Wasser diese Salze aus dem Untergrund gelöst hat und dann mitsamt dieser Frostschutzmittel die Hänge hinunterrinnt. “Wenn Menschen über den Mars sprechen, dann reden sie normalerweise über Wassereis oder urzeitliches Wasser”, sagt Ojha. “Jetzt wissen wir, dass mehr an der Geschichte dran ist. Dies ist die erste spektrale Messung, die eindeutig unsere Hypothese flüssigen Wassers in den Hanglinien bestätigt.”
Woher das Wasser kommt, ist bisher jedoch ungeklärt. “Es könnte aus dem Schmelzen von Eis an oder unter der Oberfläche stammen”, meinen die Forscher. “Aber die Präsenz von Eis in äquatorialen Breiten ist eher unwahrscheinlich.” Alternativ könnte es aus lokalen Aquiferen kommen – dann ist aber schwer zu erklären, warum diese Linien teilweise von den Spitzen der Berghänge ausgehen. Möglicherweise sind an verschiedenen Stellen unterschiedliche Mechanismen im Gange, mutmaßen die Wissenschaftler. “Wir haben die hydratisierten Salze nur dann gefunden, wenn die saisonalen Linienstrukturen am breitesten waren”, erklärt Ojha. “Das deutet darauf hin, dass entweder die dunklen Linien selbst oder ein Prozess, der sie bildete die Quelle für die Hydratisierung sind.” In jedem Falle bedeute die Entdeckung der Salze an den Hängen, dass Wasser eine entscheidende Rolle bei der Bildung dieser Linien spiele.
Saisonale Wasserflüsse am Hale Krater (NASA/JPL)





