von THORSTEN DAMBECK
Der Mond ist knochentrocken – so lautete nach den Apollo-Missionen jahrzehntelang das Mantra der Experten. Sie stützten sich auf chemische Analysen des von den Astronauten mitgebrachten Mondgesteins.
Erst im Jahr 1994 begann sich das Blatt zu wenden, als die amerikanische Raumsonde Clementine per Radar Indizien für Wassereis an den Mondpolen aufspürte. Vier Jahre später fand der Lunar Prospector der NASA zusätzliche Hinweise: Sein Neutronenspektrometer fing aus dem Mondorbit die Signatur von Wasserstoff auf. Auch dies konnte Skeptiker noch nicht völlig überzeugen.
Eis am Mondsüdpol
Weitere Sonden bestätigten 2009, dass lunares H2O eine Tatsache ist. Wichtige Messungen gelangen der indischen Mission Chandrayaan-1. Bei dem spektakulären LCROSS-Experiment (Lunar Crater Observation and Sensing Satellite) lenkte die NASA dann eine über zwei Tonnen schwere ausgebrannte Raketenstufe auf einen Crashkurs in den 98 Kilometer großen Krater Cabeus. Bei dem Einschlag nahe des Südpols wurde die Energie von rund zwei Tonnen TNT frei. Unmittelbar hinter der Raketenstufe flog eine kleine Sonde. Ihre Instrumente konnten in der aufgewirbelten Staubwolke Wassermoleküle messen: Der Analyse zufolge wurden 155 Kilogramm Dampf freigesetzt. Demnach enthält der Boden des Cabeus-Kraters fünf bis sechs Massenprozent Wassereis.
Das sind beträchtliche Mengen, die bei Raumfahrtplanern Ideen beflügelten, eines Tages daraus Trinkwasser, Atemluft und Treibstoff für eine Mondbasis zu gewinnen. Allerdings gibt es die relativ hohen Konzentrationen nur an besonderen Stellen der Polargebiete.
„Da das Sonnenlicht in der Nähe von Nord- und Südpol sehr flach einfällt, erreicht es den Boden einiger Krater und Senken nie“, erklärt Valentin Bickel von der ETH Zürich. Allein im Süden addieren sich solche Stellen auf eine mehr als sechsfache Fläche des Saarlandes. In dieser ewigen Nacht herrschen Temperaturen bis minus 243 Grad Celsius, sodass gefrorenes Wasser für mindestens eine Milliarde Jahre überdauern kann.
H2O-Moleküle im Gestein
Die Wasserfunde der unbemannten Sonden spornten auch Chemiker an, sich erneut dem Mondgestein zu widmen. Ab 2008 wurden sie in manchen Proben von Apollo 15 und 17 fündig, obwohl diese in eher äquatornahen Gebieten eingesammelt worden waren. Es zeigte sich, dass winzige Glaskügelchen, die einst von vulkanischen Lavafontänen ausgespuckt wurden, flüchtige Substanzen enthalten – darunter auch Wasser. Inzwischen geht man davon aus, dass der Mond in seiner frühesten Jugend sogar eine nennenswerte Atmosphäre besaß (siehe voriger Artikel „Als dem Mond die Luft ausging“).





