Mitten in den Tiefen des Atlantischen Ozeans entdeckten Forscher riesige Türme aus Mineralien. Die skurrilen Ablagerungen stammen aus untermeerischen, heißen Quellen, die nach Ansicht von Wissenschaftlern einem komplett neuen Typ sogenannter Hydrothermalfelder zuzuordnen sind. Margaret Leinen von der U.S. National Science Foundation berichtet, dass die Forscher bei ihrem Tauchgang mit dem U-Boot Alvin derart von der Ausdehnung und Schönheit der merkwürdigen Bauten überrascht waren, dass sie das Gelände spontan “Lost City” nannten.
Bis zu 55 Meter erheben sich die mineralischen Schlote über den Meeresboden – eine bislang bei solchen Kaminen nicht gekannte Höhe. Bildungen dieser Art seien bisher noch nirgends beobachtet worden, meint auch Paul Tyler vom Southampton Oceanography Centre. Noch mehr als die Größe überraschte die Forscher die Zusammensetzung der Schlote: Sie sind aus karbonatischem und silikatischem Material aufgebaut und nicht, wie die meisten Kamine anderer heißer Tiefseequellen, aus Eisen- und Sulfidmineralen. Außerdem werden letztere zumeist von reichen Populationen mit Bakterien, Krebsen und anderen Lebensformen bewohnt – in “Lost City” jedoch gibt es scheinbar kein Leben. Bevor man sich darüber jedoch absolut sicher sein kann, bedarf es noch weiterer Untersuchungen.
Die Forscher stolperten richtiggehend über “Lost City”. Eigentlich waren die Forscher dabei, die geologischen Prozesse zu untersuchen, welche südlich der Azoren ein Unterwassergebirge von etwa 3.700 Meter Höhe aufgetürmt hatten. Doch jetzt haben sie ihren Forschungsfokus auf die spektakulären Schlote gerichtet. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Unterwassergebirgen und über das Funktionieren hydrothermaler und damit potentiell lebenspendender Systeme, sagt Donna Blackman vom Scripps Institution of Oceanography. (BBC)
Olaf Elicki





