Nachdem die Erde fast drei Milliarden Jahre lang nur von Einzellern bevölkert worden war, entfaltete sich das Leben vor etwa 540 Milliarden Jahren plötzlich in ungeahnter Fülle. Der Grund für diese “kambrische Explosion” des Lebens ist nach wie vor unklar. Kathleen Grey vom Geological Survey of Western Australia und Kollegen berichten jetzt im Fachblatt Geology Bd. 31 S. 459), dass ein gewaltiger Meteoriteneinschlag die Ursache gewesen sein könnte.
Bislang hatten einige Paläontologen angenommen, dass ein mehrfacher, einige Millionen Jahre langer Winterschlaf der gesamten Erde die Evolution angekurbelt hat. Nach den so genannten “Schneeball-Episoden”, die vor 600 Millionen Jahren endeten, habe sich das höhere Leben entfaltet.
Grey und ihre Kollegen stellten jetzt durch Bohrungen in ganz Australien fest, dass nur Bakterienmatten und einfache Algen die Dauerfrost-Periode überlebt hatten. Erst zwanzig Millionen Jahre später traten plötzlich 57 neue, wesentlich komplexere Arten auf.
Dieser Zeitpunkt stimmt in etwa mit dem Einschlag eines größeren Meteoriten in Süd-Australien überein, dem so genannten Acraman-Impakt. Der Meteorit hinterließ einen Krater, der viermal so groß wie Sydney ist und Auswurfmaterial über ganz Australien verteilte. Die Forscher um Grey vermuten, dass der Einschlag zu einem Massensterben unter den einfachen Lebensformen der späten Erdurzeit führte. Dadurch, so argumentieren sie, wurde der Weg frei für neue, komplexere Lebewesen, den Vorfahren der heutigen Tiere und Pflanzen.
Ute Kehse





