von THORSTEN DAMBECK
Manchmal kommt es darauf an, schneller zu sein – dies war wohl das Kalkül der NASA, als es um 101955 Bennu ging. Bevor dieser Planetoid womöglich eines Tages auf die Erde stürzt, sollte er aus der Nähe studiert werden. Zudem wollte die Weltraumbehörde etwas vom Gestein seiner Oberfläche bergen. Im September 2016 startete sie dazu die Raumsonde OSIRIS-REx (Origins Spectral Interpretation Resource Identification Security – Regolith Explorer). Rund vier Jahre später kam diese ihrem Zielobjekt so nahe, dass der Bordgreifarm den Boden Bennus berührte. Das Kunststück der Probennahme gelang. Dann erfolgte eine langwierige Rückreise. Am 24. September 2023 landete die OSIRIS-REx-Kapsel am Fallschirm in einem abgelegenen Militärgelände im US-Bundesstaat Utah.
Der potenzielle Irrläufer gehört nicht zu den Planetoiden, die im sogenannten Hauptgürtel zwischen ihren großen Brüdern Mars und Jupiter die Sonne umlaufen. Dort kreisen sehr unterschiedliche Objekte, etwa die rund 940 Kilometer große 1 Ceres, das erste und größte Objekt, das dort entdeckt wurde. Myriaden kleinerer Exemplare, teils nur mit dem Ausmaß eines Kühlschranks, stellen mit Hunderttausenden den Löwenanteil – überwiegend Hinterlassenschaften gegenseitiger Kollisionen.
Ein Kollisionskandidat
Bennu hingegen gehört zur viel kleineren Gruppe der erdnahen Planetoiden. Tatsächlich besteht eine – wenngleich geringe – Kollisionswahrscheinlichkeit mit der Erde: Die Chance eines Aufpralls im Jahr 2182 wird mit 1 zu 2.700 angegeben. Zweifellos wäre ein solcher Crash eine Katastrophe, die das Erdklima jahrelang in einen kalten und trockenen „Impaktwinter“ stürzen, die Ozonschicht beschädigen und die globale Photosynthese beeinträchtigen würde. Das Ausmaß wäre jedoch nicht so gravierend wie beim Einschlag am Ende der Kreidezeit, der die Dinosaurier von der Erde tilgte. Denn Bennu ist mit kaum 500 Metern viel kleiner als der damalige Killer. Gleichwohl erreicht er fast den halben Durchmesser des Objekts, das vor 14,808 Millionen Jahren den Krater des Nördlinger Ries in die süddeutsche Landschaft stanzte.
Etwa 29 Monate lang umkreiste OSIRIS-REx Bennu. Der eigentliche Kontakt war hingegen nur kurz: Rund 16 Sekunden bohrte sich der Greifarm in den Boden des Planetoiden. Er erfuhr dabei den gleichen, eher geringen Widerstand wie beim Drücken des Kolbens einer Kaffeekanne, der den Kaffeesatz mit einem Sieb nach unten presst. Offenbar wird Bennu nur schwach durch Gravitation und elektrostatische Kräfte zusammengehalten. „Ich denke, wir stehen noch am Anfang, solche Körper zu verstehen“, kommentiert Patrick Michel vom Observatorium Côte d’Azur im französischen Nizza, ein Mitglied des OSIRIS-REx-Teams.





