Ist da draußen jemand? Im Jahr 1974 funkten Menschen erstmals gezielt eine Botschaft zu den Sternen – eine werbewirksame Aktion, um die Suche nach dem Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen populär zu machen. Ziel war der Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules, über 20000 Lichtjahre entfernt. Jetzt zeigen Forschungsergebnisse, daß der Ruf ungehört verhallen wird, weil Kugelsternhaufen wahrscheinlich überhaupt keine potentiellen Empfänger beherbergen.
Dabei klang es so vielversprechend: Kugelsternhaufen bestehen aus mehr als 100000 Sternen – verteilt über einen Raum von nur 100 bis 150 Lichtjahre Durchmesser. Der Nachthimmel eines Planeten dort müßte vor lauter hellen Sternen förmlich explodieren. Doch es gibt wohl niemanden, der diesen Anblick genießen kann. Das schließt jedenfalls ein 24köpfiges Astronomenteam unter der Leitung von Ronald Gilliland vom Space Telescope Science Institute und Tim Brown von National Center for Atmospheric Research. Mit dem Hubble-Weltraumteleskop hatten die Forscher 8,3 Tage lang den Kugelsternhaufen 47 Tucanae im Visier – eines der größten Einzelprojekte des Teleskops überhaupt. 47 Tucanae (auch NGC 104 genannt) ist nach Omega Centauri der zweithellste Kugelsternhaufen und rund 12000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Ziel des Projekts war die Suche nach unbekannten Planeten. Bei Sternen in der Sonnenumgebung sind inzwischen über 50 Trabanten bekannt – mindestens ein Prozent aller Sterne hier haben jupiterähnliche Gasplaneten (bild der wissenschaft 5/2000, „Auf der Suche nach der zweiten Erde”). Sie lassen sich bislang zwar nicht direkt beobachten, dämpfen das Licht ihres Heimatsterns aber etwas, wenn sie – von uns aus betrachtet – vor ihm vorüberziehen.
Auf der Suche nach solchen Transits maßen die Astronomen die Helligkeit von über 34 000 Sternen in einem kleinen Teil von 47 Tucanae, den sie 1289mal nacheinander fotografierten. Wären die Verhältnisse dort ähnlich wie in unserer Nähe, hätte das Weltraumteleskop 15 bis 20 Transits beobachten müssen. Doch es entdeckte keinen einzigen. „Dieses Resultat ist verblüffend und verwirrend”, kommentiert der Planetenwissenschaftler Alan Boss von der Carnegie Institution in Washington D. C. „Anscheinend sind die physikalischen Bedingungen in Kugelsternhaufen völlig anders als in der Sonnenumgebung”, folgert Brown. „Irgend etwas verhindert die Entstehung oder das Überleben der Planeten in Kugelsternhaufen.” Eine Erklärungsmöglichkeit ist die hohe Sterndichte – eine millionmal höher als in der Sonnenumgebung: Vorüberziehende Sterne könnten die Gas- und Staubscheiben zerreißen, aus denen sich Planeten bilden. Oder sie schleudern durch ihre Schwerkraft die Planeten aus ihrer Umlaufbahn – entweder weit hinaus ins All oder in den Feuerschlund ihrer eigenen Sonne. „Vielleicht gibt es langfristig keine stabilen Planetenbahnen in Kugelsternhaufen”, überlegt Gilliland.
Und wenn sie doch existieren, könnten die Planeten auf ihren stark elliptischen Bahnen von den Gezeitenkräften ihrer Sonne und vorüberziehenden Sternen so gezerrt werden, daß sie zerbrechen, spekuliert Steinn Sigurdsson von der Pennsylvania State University. „Das ist bislang freilich reine Theorie.”
Auch die chemische Zusammensetzung der Kugelsternhaufen könnte eine Rolle spielen. Wie die meisten der rund 150 bekannten Exemplare in der Milchstraße besteht auch 47 Tucanae fast ausschließlich aus alten Sternen. Als sie entstanden sind, gab es im Universum noch kaum schwere Elemente wie Sauerstoff, Kohlenstoff und Eisen – denn die wurden erst im Lauf der Zeit in Sternen erbrütet und mit deren Explosion in den Weltraum gesprengt. „Sterne mit wenig schweren Elementen haben anscheinend keine oder nur selten Planeten”, sagt Geoff Marcy von der University of California in Berkeley, einer der erfolgreichsten Planetenjäger. Die Suche nach ET hat wahrscheinlich nur bei jüngeren Sternen Aussicht auf Erfolg.
Rüdiger Vaas





