Die obersten 450 Meter des Bohrkerns bestanden aus Ablagerungen, die sich erst nach dem Einschlag im Krater abgesetzt hatten. Darunter stießen die Forscher auf wild durchmischtes Gestein, das direkt nach dem Einschlag von den steilen Kraterwänden abgebrochen oder von einer gewaltigen Tsunami-Welle in den ursprünglichen Krater geschwemmt worden war. In noch größeren Tiefen befand sich Granitgestein, das den ursprünglichen Kraterboden bildete und beim Einschlag teilweise zertrümmert wurde.
Durch den Einschlag wurde das Gestein in der Umgebung des Kraters extrem erhitzt, wodurch sämtliche Lebewesen abgetötet wurden. Auch die unzähligen Mikroben, die die Erdkruste bis zu Tiefen von mehreren Kilometern besiedeln, dürften unter dem Einschlag gelitten haben. Cockell und seine Kollegen wollten nun feststellen, ob die Auswirkungen des Einschlags auf die noch relativ unerforschte ?tiefe Biosphäre? noch heute zu spüren sind. Sie untersuchten daher die Zahl der Mikroben in verschiedenen Tiefen des Bohrkerns besonders sorgfältig.
Tatsächlich fanden die Forscher zwei Besonderheiten. Zu ihrer Überraschung variierte die Zahl der Mikroben in der Kraterfüllung relativ stark ? als ob 35 Millionen Jahre nicht ausgereicht hätten, um die sterilisierten Sedimente neu zu besiedeln. Zudem fanden die Wissenschaftler in Tiefen von mehr als einem Kilometer ungewöhnlich viele Mikroben ? bis zu eine Million Zellen pro Gramm Gestein. ?Noch niemand hat so viele Organismen in so großen Tiefen beobachtet?, sagt Cockell.
Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass der Einschlag neue Lebensräume für die widerstandsfähigen Bewohner der Tiefe schuf. Durch Risse könnten zum Beispiel Wasser und Nährstoffe in größere Tiefen gelangt sein, wodurch sich die kärglichen Lebensbedingungen im Untergrund deutlich verbesserten. ?Einschläge sind ein natürlicher Mechanismus, um Nischen für die Mikrobengemeinschaft zu öffnen?, ist auch Stephen Mojzsis von der University of Colorado in Boulder, der nicht an den Arbeiten beteiligt war, überzeugt. Die Forscher um Cockell spekulieren, dass es auf weniger lebensfreundlichen Planeten wie dem Mars vielleicht Refugien im Untergrund von Kratern geben könnte, in denen sich mögliche Mikroben verstecken könnten.





