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„La solitude heureuse“ – glückliche Einsamkeit
Archäologie

„La solitude heureuse“ – glückliche Einsamkeit

Der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebenden Mathematikerin und Naturphilosophin Émilie du Châtelet (1706–1749) gelang die Balance zwischen ihrer wissenschaftlichen Arbeit und dem gesellschaftlichen Auftritt als Adelsdame. Sie ist eine Vorreiterin moderner Forscherinnen.
Autor
Redaktion
15. Mai 2026
Lesezeit
12 Minuten
Rubrik
Archäologie
Der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebenden Mathematikerin und Naturphilosophin Émilie du Châtelet (1706–1749) gelang die Balance zwischen ihrer wissenschaftlichen Arbeit und dem gesellschaftlichen Auftritt als Adelsdame. Sie ist eine Vorreiterin moderner Forscherinnen.

Lange Zeit stießen Lesende auf eine der faszinierendsten Wissenschaftlerinnen des 18. Jahrhunderts, Émilie du Châtelet, mehr oder weniger nur indirekt: über die Lektüre einer Voltaire-Biographie. Denn seit 1733 waren Voltaire und Émilie du Châtelet nicht nur ein Liebespaar, sondern sie verband auch eine intensive Arbeits- und Geistesbeziehung. In den Voltaire-Biographien nimmt sie daher auch einen großen Raum ein.

Aber sie war nicht nur die Lebensgefährtin Voltaires. Sie war Autorin wissenschaftlicher Werke zu einer Zeit, in der es für Frauen nicht üblich war, wissenschaftlich zu arbeiten. Sie diskutierte mit Wissenschaftlern, Mathematikern und Philosophen auf Augenhöhe, empfing diese im Château de Cirey und stand im Austausch mit den Geistesgrößen ihrer Zeit.

Während ihre Standesgenossinnen Cembalo-Unterricht nahmen, ließ sie sich von einem der berühmtesten Mathematiker ihrer Zeit, Pierre Louis Moreau de Maupertuis, in Geometrie unterrichten. Ihr erstes bedeutendes Werk war eine Einführung in die Naturphilosophie, die Leibniz in der französischen Wissenschaftswelt bekannt machen sollte. Ihr letztes Werk war die Übersetzung und Kommentierung von Newtons „Principia“. Darüber hinaus schrieb sie einen Essay über das Glück und eine 700 Seiten umfassende bibelkritische Schrift.

Émilie du Châtelets umfangreiche Korrespondenz repräsentiert die Wissenschaftskultur des 18. Jahrhunderts. Denn die ab dem 17. Jahrhundert sich entwickelnde Wissenschaft war noch nicht derart institutionell geprägt, wie wir es heute kennen. Die Forschenden formierten sich zu einer Gemeinschaft, die über aktuelle Fragen und Themen in Briefen korrespondierte. Bemerkenswert ist die Unabhängigkeit du Châtelets in den wissenschaftlichen Diskursen, in denen sie sich nicht einfach auf die eine oder andere Seite schlug, sondern ihren eigenen Standpunkt vertrat, wie die Debatte um Newton, Leibniz und Descartes zeigt. So setzte sie sich für die Theorien von Newton und Leibniz ein und vertrat diese gegenüber dem traditionellen Cartesianismus, ohne deshalb die Verdienste von Descartes gering zu schätzen.

Émilie du Châtelet gelang zudem die schwierige Balance zwischen den beiden diametralen Sphären Akademie und Hof, wissenschaftlicher Arbeit und gesellschaftlichem Auftritt. Sie bewegte sich souverän sowohl auf dem höfischen Parkett in Versailles und Lunéville als auch in den wissenschaftlichen Kabinetten der Académie royale des sciences. Kaum jemand füllte diese Doppelrolle als Höfling sowie als anerkannte Wissenschaftlerin so erfolgreich aus wie sie.

Émilies aufgeklärtes Elternhaus legt Wert auf umfassende Bildung – unabhängig vom Geschlecht

Die Voraussetzungen dafür ermöglichte ihr der Vater, denn Louis Nicholas Le Tonnelier de Breteuil erkannte rechtzeitig, was für ein begabtes Kind er hatte, und förderte es auch entsprechend. Die Familie zählte zum höfischen Adel und besetzte seit Generationen wichtige Ämter am Hof von Versailles. Ab dem Alter von vier oder fünf Jahren wurde Émilie zunächst von einer Gouvernante unterrichtet, die ihr Basiswissen in Schreiben, Lesen und einfacher Mathematik beziehungsweise Arithmetik vermittelte. Später unterrichtete sie ein Hauslehrer. Dabei ging es nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch um den richtigen und gesellschaftskonformen Umgang untereinander. Jedes Wort, jede Handlung zeigte, welchem Stand man angehörte. Gemäß der klassischen standesgemäßen Erziehung und Bildung erhielt Émilie darüber hinaus Unterricht in Kunst, Konversation, Tanz und Musik. Für die angemessene Konversation in der Gesellschaft waren auch grundlegende Kenntnisse in Philosophie, Literatur sowie Geographie, Geometrie und Astronomie notwendig.

Ebenso zählte das Erlernen mehrerer Fremdsprachen zur Ausbildung. In der umfangreichen Bibliothek der Familie fand sich zeitgenössische französische Literatur, Werke von Corneille und Racine, die Fabeln von La Fontaine oder die „Essais“ von Montaigne.

Seit 1714 war mit Voltaire einer der aufstrebenden Philosophen und Schriftsteller seiner Zeit immer wieder im Pariser Haus von Louis Nicholas de Breteuil zu Besuch gewesen. Voltaire konnte sich schon damals von der außergewöhnlichen Begabung der achtjährigen Tochter überzeugen.

Die für Voltaire und Émilie bestimmende Begegnung erfolgte aber erst Jahre später während einer Aufführung der Oper „L’empire de l’amour“ von François-Augustin de Montcrif im April 1733. Voltaire besuchte mit seinem Freund Jean Dumas d’Aigueberre die Loge seiner Freundin Madame de Saint-Pierre, die in Gesellschaft einer jungen Dame war, der Marquise du Châtelet. Voltaire fühlte sich sogleich angezogen von Émilie, die er zuletzt vor Jahren bei ihrem Vater gesehen hatte. Auch Émilie war von dem eloquenten 38-jährigen Dichter fasziniert.

1733 erschienen Voltaires „Lettres philosophiques“, die aufgrund ihrer kritischen Bemerkungen zur französischen Monarchie sofort nach Veröffentlichung unter Zensur fielen. Voltaire musste Paris verlassen. Ein idealer Zufluchtsort war ein Schlösschen der Familie du Châtelet, das in der Südchampagne gelegen war, das Château de Cirey. Was zunächst nur als vorübergehender Zufluchtsort vor der Zensur geplant war, sollte schnell zum frei gewählten Refugium und zum Zuhause für Émilie und Voltaire werden. Hier konnten sie in aller Ruhe arbeiten, Gäste empfangen und wissenschaftliche Diskussionen führen.

Der Rückzug nach Cirey bedeutete nicht etwa eine Abschottung vom gesellschaftlichen Pariser und Versailler Leben. Émilie du Châtelet pflegte weiter intensive Korrespondenzen und hörte Neuigkeiten aus Paris und Versailles. Nachrichten aus der Hauptstadt wurden mit großer Neugier in Cirey empfangen. In der Abgeschiedenheit vollzog Émilie aber bald einen Lebenswandel. Zwar gab sie ihr altes Leben mit den Vergnügungen, Verabredungen und Opernbesuchen nie ganz auf, aber immer mehr langweilte sie sich bei alldem. Erst auf dem abgelegenen Schloss in der Champagne wich die Langeweile immer mehr, und sie erlebte die solitude heureuse („glückliche Einsamkeit“), denn ihre Studien und wissenschaftlichen Arbeiten fesselten sie dort immer mehr.

In Cirey war der Tagesablauf streng geregelt. Selbst wenn Émilie und Voltaire Gäste hatten, arbeiteten sie zurückgezogen in ihren Zimmern. Eine Glocke kündigte die Mahlzeiten und Ruhepausen an. Émilie begann bereits in den frühen Morgenstunden mit der Arbeit am Schreibtisch. Erst am späteren Vormittag hatten die Gäste Gelegenheit, die Hausherren in der Galerie zu sprechen. Diese ließen sich in diesem strengen Tagesablauf nicht von den Gästen ablenken und erwarteten, dass sie auch am liebsten lesen und schreiben würden. Ab 21 Uhr abends traf man sich dann im Speisesalon.

Auch für Voltaire wurde der Rückzug immer wichtiger, wie er in einem Brief am 24. August 1735 aus Cirey bekannte: „Ihre Briefe fügen einen neuen Charme zur Süße hinzu, die ich in der Einsamkeit genieße, wohin ich mich zurückgezogen habe, weit weg von der lärmenden, bösen und elendigen Welt. Weit weg von den schlechten Poeten und den schlechten Kritikern liebe ich es tausend Mal mehr, von Ihnen die Neuigkeiten zu erfahren von all dem, was passiert ist, als ein direkter Zeuge dessen zu sein.“

„Newton ist hier der Gott, dem wir dienen“

Mitte der 1730er Jahre beschäftigten beide sich intensiv mit Newton. Ein Ergebnis dieser Arbeit war Voltaires Abhandlung „Élémens de la philosophie de Neuton“, an der auch die Marquise wesentlichen Anteil hatte. Ein weiteres gemeinsames Projekt war eine Abhandlung zur Natur von Feuer, die sie für eine Ausschreibung der Académie royale des sciences einreichen wollten. Vom Frühsommer 1737 an standen beide im Park von Cirey und führten physikalische Experimente mit Feuer durch. Tag für Tag diskutierten sie Fragen und Probleme.

Im Zuge der gemeinsamen Experimente und Diskussionen wurde der Marquise aber klar, dass ihre Auffassungen von denen Voltaires abwichen. So entschied sie sich, ihre eigene Abhandlung zu schreiben und anonym einzureichen. Voltaire gegenüber verschwieg sie dies. Der geteilte Hauptpreis ging unter anderem an den Schweizer Mathematiker Leonhard Euler, der bereits als einer der berühmtesten Wissenschaftler Europas galt. Die Enttäuschung war groß, wie ein Brief Émilies an Maupertuis zeigt: „Wir sind sehr enttäuscht über das Urteil der Akademie, es ist hart, dass der Preis geteilt worden ist und Monsieur de Voltaire kein Stück vom Kuchen abbekommen hat. Der Nominierte ist Herr Euler, ein Leibnizianer und folglich auch Cartesianer“, schrieb sie ihm am 22. Mai 1738. „Wenn Monsieur [Voltaire] Ihnen in seinem Brief nichts davon geschrieben hat, bitte ich Sie, ihm nichts davon zu erzählen, dass ich mit Ihnen darüber gesprochen habe.“

Mit ihrem Eintritt in die „Wissenschaftscommunity“ geriet Émilie du Châtelet zunehmend auch in die Konfrontation der zerstrittenen Lager von Cartesianern und Newtonianern. In den 1730er und 1740er Jahren erfuhren Newtons Theorien, darunter vor allem die Gravitationslehre, eine breite und kontroverse Rezeption in Frankreich. Cartesianer wie Réaumur, Cassini und Mairan standen der Gravitation kritisch gegenüber, da diese im Widerspruch zu den Lehren Descartes’ stand. Voltaire brachte diese Auseinandersetzung zwischen beiden Positionen im 14. Kapitel seiner „Lettres philosophiques“ auf den Punkt: Worin die Cartesianer einen Antrieb oder Anstoß sähen, liege für Newton die Anziehungskraft. In Paris habe die Erde die Form einer Melone, in London sei sie an den Polen abgeflacht. Voltaire spitzt schließlich zu: Newton habe das cartesianische System zerstört.

Die Begeisterung für Newton verband Émilie und Voltaire mit anderen Wissenschaftlern und Publizisten ihrer Zeit. So auch mit einem weiteren Newtonianer: Francesco Algarotti (1712–1764). Er war einer der bevorzugten Höflinge Friedrichs von Preußen, Mitglied dessen cercle intime in Sanssouci und seit 1747 der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1735 war Algarotti erstmals zu Gast im Château de Cirey. Voltaire schätzte dessen ausgezeichnete Bildung und sprachliche Begabung sowie seine profunden Kenntnisse der Philosophie Lockes und Newtons. Die Begeisterung für Newton fand Ausdruck in dem Werk „Le Newtonianisme pour les dames“, in dem Algarotti schwierige naturwissenschaftliche Probleme auf elegante und leicht verständliche Weise erklärt. Das Werk wurde zum Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt.

„Institutions de physique“ – das erste große Werk

Neben Newton hatte du Châtelet auch ein tiefes Interesse an Leibniz, das schließlich Ausdruck in ihrer ersten großen Abhandlung fand, den „Institutions de physique“, einer Einführung in die Naturphilosophie der Zeit. Leibniz’ Philosophie, insbesondere seine Monadologie und die Theorie des zureichenden Grundes, nimmt neben Newton und Descartes einen großen Teil der Einführung ein. Dieses erste große Werk der Marquise erschien Pfingsten 1740 im Verlagshaus Prault & Sohn, zunächst anonym. Wenig später folgten Nachdrucke bei Pierre Mortiers in Amsterdam und bei Paul Vaillant in London. 1743 erschien die deutsche Ausgabe unter dem Titel „Naturlehre an ihren Sohn“. In klarer Sprache bot Émilie du Châtelet gebildeten Laien eine Einführung in die wissenschaftlichen Fragen ihrer Zeit.

Zudem wollte die Autorin mit der Publikation eine Lücke füllen, denn sie vermisste eine vergleichbare Darstellung, die sie für den Mathematik- und naturwissenschaftlichen Unterricht für ihren Sohn heranziehen könnte. Im Vorwort formuliert sie als oberste Pflicht eines Menschen, den Kindern eine Erziehung zu vermitteln, die diese davor bewahre, im späteren Alter ihre Jugend zu bereuen; sie sollten dieses Alter nutzen, in dem man etwas lernen kann. „Ihr seyd, mein Sohn, in dem glückseligen Alter, da der Verstand zu denken anfänget, und die Leidenschaften noch nicht lebhaft genug sind, das Herze zu beunruhigen.“

Die „Institutions de physique“ wurden auch in Deutschland rezipiert. So hatte sich Immanuel Kant mit der Schrift der französischen Kollegin intensiv auseinandergesetzt. In seiner ersten, 1747 verfassten Dissertation „Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte und Beurtheilung der Beweise, deren sich Herr von Leibniz und andere Mechaniker in dieser Streitsache bedient haben“ finden sich zahlreiche Verweise auf die Abhandlung der französischen Naturphilosophin. Kant äußerte hohe Wertschätzung für die wissenschaftliche Kompetenz der Französin und nannte sie „unsere Philosophin“. Sie stand für Kant weit über ihren Geschlechtsgenossinnen und auch manchen seiner männlichen Kollegen: „… der Vorzug des Verstandes und der Wissenschaft, an derjenigen Person, von der ich rede, der sie über alle übrige ihres Geschlechtes, und auch über einen großen Teil des anderen, hinweg setzet.“ Kant zählte die Marquise zu den führenden Vertretern der leibnizschen Theorie.

Neben den naturphilosophischen Arbeiten widmete sich die Marquise einer ganz anderen Art von Arbeit, die stark autobiographisch geprägt war, aber auch ganz im Zeichen des Rationalismus der frühen Aufklärung steht: dem „Discours sur le bonheur“ – der Rede vom Glück. Begonnen hatte sie damit wohl bereits Ende der 1730er Jahre. Sie setzte diese mehr literarische Arbeit in den 1740ern fort und beendete sie schließlich 1748. Die Arbeit am „Discours“ fällt auch in eine Zeit der Krise mit Voltaire. Émilie und Voltaire lebten nun schon etliche Jahre zusammen, und ihre Beziehung war damit auch stärker von Alltag und Routine geprägt als zu Beginn. In dieser Zeit erfolgte die Abkühlung zwischen beiden durch die Hinwendung Voltaires zu seiner Nichte Madame Denis.

So analysiert sie im „Discours sur le bonheur“ auch das Thema Leidenschaft. Sie unterscheidet zwischen schlechten und guten Leidenschaften. Zu den Ersteren zählen für sie Hass, Rachsucht oder Wut. Auch den Ehrgeiz hält sie für eine Leidenschaft, die dem Glück entgegensteht. Nicht deshalb, weil er keine Lust mit sich bringe, sondern weil der Ehrgeiz niemals aufhöre zu begehren. Das Begehren ist für die Autorin wenig erstrebenswert, weil es von allen Leidenschaften unser Glück am stärksten abhängig von Dritten macht. Je weniger unser Glück von anderen abhänge, desto leichter gelinge es uns, glücklich zu sein.

Im „Discours“ spielt zudem ein erkenntnistheoretisches Thema eine Rolle: die Illusion und die Frage nach der Erweiterung von realen Erlebnissen. „Schließlich sage ich, muß man, um glücklich zu sein, empfänglich sein für Illusionen, und das bedarf kaum eines Beweises; aber, werden Sie einwenden, Sie haben gesagt, der Irrtum sei immer schädlich: Ist denn die Illusion nicht auch ein Irrtum? Nein: in Wahrheit läßt uns die Illusion die Dinge nicht ganz so sehen, wie sie wohl sein müssen, sie paßt sie uns unserer Natur an, um sie unseren Empfindungen angenehm zu machen. … Aus welchem Grund lache ich im Marionettentheater mehr als irgendjemand sonst, wenn nicht deshalb, weil ich mich mehr als irgendjemand sonst der Illusion ergebe und nach einer Viertelstunde glaube, es sei tatsächlich Polichinelle, der spricht?“

Sie fragt sich, ob man nur einen Moment Vergnügen im Theater fände, wenn man sich nicht der Illusion hingäbe. Illusion stecke in allen Freuden unseres Lebens, sie sei dessen Firnis.

Übersetzung von Newtons „Principia“

Die letzten Lebensjahre von Émilie du Châtelet waren bestimmt von der intensiven Arbeit an der Übersetzung von Newtons „Principia“, ausführlich „Philosophiae naturalis principia mathematica“, in deutscher Übersetzung: „Mathematische Grundlagen der Naturphilosophie“. Mit den „Principia“ widerlegt Newton Descartes’ Wirbeltheorie, nach der die Bewegungen der Planeten und deren Trabanten durch Wirbelbewegungen eines das ganze Weltall erfüllenden ätherischen Fluidums verursacht werden.

Newtons 1687 veröffentlichte „Principia“ sind also auch eine Antwort auf Descartes’ „Principia philosophiae“ (1644), in der er diese Theorie darstellt und mit der Descartes den Großteil der Gelehrten überzeugt hatte.

Dieses Projekt war für die Marquise von großer Bedeutung, nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht, sondern auch, weil sie damit ihre Bewunderung von Newtons Lehre unter Beweis stellen konnte. Auch sah sie eine große praktische Notwendigkeit in einer französischen Übersetzung, da Latein für viele ein Hindernis bei der Lektüre darstellte. Als Arbeitsgrundlage dienten der Übersetzerin die beiden Neuausgaben des Originals der „Principia“ von 1713 und 1726.

Émilie du Châtelet ist eine klassische Protagonistin der Aufklärung und mit ihren Forderungen nach Bildung und Gleichstellung der Frau unvergleichlich modern. Wie sehr sie selbst dies verkörpert, zeigt sich daran, dass du Châtelet sich von ihren Lehrern und Mentoren emanzipierte und bald erkannte, dass sie ihre Fragen dank eigener Studien selbst beantworten konnte.

Sie war eine der ersten Frauen, die sich in der von Männern dominierten Welt der Wissenschaft behaupteten. Dennoch, trotz der Würdigung der wissenschaftlichen Leistung Émilie du Châtelets durch namhafte Denker des 18. Jahrhunderts, wie Diderot, Voltaire und Kant, erfolgte eine entscheidende Neubewertung ihres Werkes innerhalb der Forschung erst im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Autorin: Dr. Andrea Brill

hat Geschichte und Philosophie studiert. Sie arbeitet als freie Publizistin und Autorin.

Literatur

Andrea Brill, Émilie du Châtelet. Mathematikerin, Naturphilosophin, Gefährtin Voltaires. Köln 2025.

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