Am 11. Januar 1935 sollte sich das Leben von Subrahmanyan Chandrasekhar entscheidend ändern. An jenem Freitag verkündete der 24-jährige Inder im Vortragssaal von Burlington House nahe dem Londoner Piccadilly Circus geradezu Ungeheuerliches: dass Sterne am Ende ihres Lebens nicht als tote Brocken enden, sondern vollständig in sich zusammenstürzen und zu einem Nichts schrumpfen können, einem unendlich dichten Gebilde mit gigantischer Anziehungskraft. Ungeheuerlich war die Behauptung vor allem deshalb, weil sie der etablierten Lehrmeinung zuwiderlief, die damals von Arthur S. Eddington diktiert wurde. Der gab nach Chandrasekhars Vortrag ein vernichtendes Urteil über die Theorie seines jungen Kollegen ab – und blockierte damit die weitere Forschung über die „Schwarzen Löcher”, wie die Schwerkraftfallen seit 1967 heißen, für mehr als drei Jahrzehnte. Der ambitionierte und hochbegabte indische Astrophysiker ging bald darauf in die USA und widmete sich dort anderen Themen.
Ob 1935 wirklich ein „Krieg der Astronomen” begann, mag jeder selbst entscheiden. Tatsache ist, dass Arthur I. Miller die profunde Erzählung eines bislang kaum beachteten Stücks Wissenschaftsgeschichte gelungen ist: wie die Schwarzen Löcher das Licht der Welt erblickten. Schon Ende des 18. Jahrhunderts spekulierten John Mitchell und Pierre Simon de Laplace über „ dunkle Sterne”, deren große Masse dem Licht gleichsam Fesseln anlegt und keinerlei Strahlung entkommen lässt. Heute gehören Schwarze Löcher zum festen Inventar der Forscher, die in den vergangenen Jahren Beweise für die Existenz dieser unsichtbaren exotischen Gebilde gesammelt haben.
Geschickt führt Arthur I. Miller – Physiker und Professor für Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften am Londoner University College – mithilfe der roten Fäden aus Quantenphysik, Relativitätstheorie und den gegensätzlichen Charakteren der Protagonisten durch die moderne Astrophysik. Dabei bleibt sein Buch jederzeit verständlich. Subrahmanyan Chandrasekhar wurde übrigens 1983 mit dem Nobelpreis geehrt – Arthur S. Eddington hat ihn nie bekommen.
Arthur I. Miller DER KRIEG DER ASTRONOMEN Deutsche Verlags-Anstalt München 2006, 477 S., € 24,90 ISBN 978-3-421-05697-9
Helmut Hornung, Astronomie-Experte und Chefredakteur von „MaxPlanckForschung”





