Das Alter des Universums ist eine der am meisten diskutierten Größen der Astronomie. Schätzungen schwanken zwischen neun und 16 Milliarden Jahren. Die Wahrheit könnte in der Mitte liegen. Roger Cayrel vom Observatoire de Paris-Meudon und Kollegen bestimmten das Alter des Kosmos mit einer neuen Messmethode auf ungefähr 12,5 Milliarden Jahre. Die Messmethode beruht auf den radioaktiven Zerfall von Uran-238. Wie die Forscher im Fachblatt Nature schreiben, könnten es, wegen methodischen Unsicherheiten, auch drei Milliarden Jahre mehr oder weniger sein.
Cayrel und seine Kollegen benutzten erstmals das radioaktive Element Uran-238 für die Altersbestimmung. Mit Hilfe des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile bestimmten sie die Häufigkeit von Uran-238 und Thorium-232 im Stern CS31082-001. Dieser schon sehr alte Stern befindet sich im kugelförmigen Halo der Milchstraße. CS31082-001 ist sehr arm an Metallen – ein Zeichen dafür, dass bei seiner Entstehung erst sehr wenige dieser schweren Elemente vorhanden waren, die bei Supernova-Explosionen entstehen. CS31082-001 ist also schon ein Stern der zweiten Generation, aber dennoch einer der ältesten Sterne der Milchstraße.
Das Uran und das Thorium müssen ebenfalls bei Supernova-Explosionen entstanden sein. Da die Zerfallsraten von beiden bekannt sind und sich abschätzen lässt, welche Menge von beiden Stoffen bei den ersten Supernova-Explosionen erzeugt wurde, konnten die Forscher aus der Häufigkeit beider Elemente in CS31082-001 das Alter des Sterns direkt bestimmen. Das Universum, so folgern Cayrel und seine Kollegen, muss folglich noch ein wenig älter sein. Nun sind die Astronomen dabei, nach weiteren Uralt-Sternen zu suchen, die die Uran-Uhr in sich tragen. Dann könnten sie das Alter noch genauer festlegen. (Nature Bd. 409, S. 691)
Ute Kehse





