von DIRK EIDEMÜLLER
Die archäologische Arbeit ist oft wie ein riesiges Puzzle. Man gräbt beispielsweise durch eine steinzeitliche Siedlung und findet Werkzeuge, Scherben, Feuerstellen, Überreste der Bewohner oder von ihnen verspeister Tiere. Es ist allerdings schwer, sich aus all diesen Fundstücken ein halbwegs plausibles Bild von der damaligen Zeit zu machen.
Wenn man etwa mehrere Reihen Palisaden findet, dann spricht das vermutlich für eine Befestigung und eine kriegerische Zeit. Aber für welchen Zeitraum gilt das? Vielleicht haben die Bewohner eine Palisade nur mehrfach erneuert? Oder haben sie gleich ein komplexes Verteidigungssystem angelegt? „Alle Fragen rund um eine archäologische Fundstelle lassen sich wesentlich einfacher beantworten, wenn man eine klare Datierung der einzelnen Funde und Befunde vornehmen kann“, sagt Albert Hafner, Professor für Archäologie an der Universität Bern.
Die sehr seltenen Fundstellen im Bereich von Seen und Mooren zeichnen sich durch die nahezu perfekte Erhaltung von organischem Material aus. Insbesondere Holz, aber auch anderes pflanzliches Material kann Jahrtausende überdauern. Solche Feuchtbodenfundstellen existieren weltweit. Allerdings gibt es vielerorts ein Problem: Die Dendrochronologie – die Datierung mithilfe von Jahrringen im Holz von Bäumen – erlaubt nur dort eine exakte Zeitbestimmung, wo man auf eine möglichst lückenlose Reihe von Baumringdaten zurückgreifen kann.
Je nachdem, wie heiß und trocken oder feucht und kalt ein Jahr war, desto breiter oder schmaler sind die jährlichen Wachstumsringe. Wie mit einem Fingerabdruck kann man so das Alter von Hölzern feststellen – im Optimalfall auf das Jahr genau. Doch nur für wenige Orte stehen fortlaufende Baumringkalender zur Verfügung, nämlich in England und Irland, im Südwesten der USA und im nördlichen Alpenvorland. Hier kann man anhand der charakteristischen Breite der Jahrringe mehr als 12.000 Jahre zurück präzise Datierungen vornehmen.
„Im Alpenraum mit den vielen Siedlungen an Seen ist die Datierung inzwischen einfach, weil im Wasser Holz gut konserviert wird“, sagt Hafner. „In Südeuropa ist es sehr viel schwieriger, weil es dort nur wenige Fundstellen an Seen gibt.“ Im Rahmen des Projekts EXPLO konnte das Team von Hafner nun erstmals Zeitreihen von Baumringen für Südeuropa erstellen. Allerdings weisen sie große Unterbrechungen auf. Der genaue Abstand zwischen einzelnen Zeiträumen bleibt unklar.
C-14 und Jahrringe kombiniert
Um zumindest eine ungefähre zeitliche Einordnung vornehmen zu können, mussten Archäologen bislang auf die Radiokarbondatierung zurückgreifen, auch als C-14-Methode bekannt. Sie bietet eine unabhängige Alternative und greift auf den radioaktiven Zerfall des instabilen Kohlenstoff-Isotops C-14 zurück. Dieses wird beständig in der Erdatmosphäre erzeugt, wenn hochenergetische Teilchen aus dem All Atomkerne zerschmettern und die dabei freigesetzten Neutronen Stickstoff zu Kohlenstoff umwandeln. Jedes Lebewesen nimmt C-14 mit der Nahrung auf. Nach dem Tod des Organismus zerfällt das Isotop mit einer Halbwertszeit von rund 5.700 Jahren. Im Lauf der Jahrtausende nimmt die Radiokarbon-Konzentration also langsam ab.





