Sie schauen aus wie gigantische glühende Gaskugeln.
In fünf Milliarden Lichtjahren Entfernung entdeckten die Objektive des Röntgen-Satelliten ROSAT ungewöhnlich viele Galaxienhaufen. Viel mehr als man vermutete und Grund genug, erneut über die Entstehung des Universums nachzudenken. Harald Ebeling vom Institute of Astronomy der University of Hawaii identifizierte in den Daten bisher 101 solcher interstellaren Ballungsgebiete, in denen sich Hunderte oder Tausende von Galaxien befinden, von denen jede einzelne aus Milliarden von Sternen besteht.
“Wir haben es hier mit völlig neuen Objekten zu tun”, meint Ebeling anlässlich einer Tagung der American Astronomical Society in Honolulu. “Sie schauen aus wie gigantische glühende Gaskugeln.” Die Galaxienhaufen sind die größten, durch Gravitation gebundene Strukturen des Universums und entstanden durch die Zusammenballung von Materie während dessen Frühzeit. Ebelings Mitarbeiter Pat Henry glaubt, dass die Schwerkraft in diesen Haufen zu Beginn der Entwicklung unseres Universums alle erreichbare Materie sammelte – solange, bis irgendwann schlichtweg nicht mehr genug übrig war, um Galaxienhaufen dieser Größe zu bilden. Die Umgebung der Galaxienhaufen war leergefegt.
Auf der Basis der ROSAT-Daten betrachteten sie die Objekte auch mit den großen Teleskopen auf dem Mauna Kea in Hawaii. Keiner der Galaxienhaufen gleicht dem anderen. Einige haben deutliche Kerne, andere fadenförmige Strukturen, die Schleifen und Bögen bilden. Für Ebeling sind dies Zeichen, dass einzelne Haufen miteinander verschmelzen. Bild: Institute of Astronomy/University of Hawaii
Joachim Schüring





