von RÜDIGER VAAS
Der österreichische Teilchenphysiker Reinhold Bertlmann hatte seit seiner Studentenzeit die Angewohnheit, stets zwei Socken unterschiedlicher Farbe zu tragen. Bog er um eine Ecke, sah ein Beobachter beispielsweise zuerst einen Fuß mit einer pinkfarbenen Socke – und konnte sicher sein, dass Bertlmanns noch unsichtbarer anderer Fuß keinesfalls mit einer Socke derselben Farbe bekleidet war. Diese unter Bertlmanns Kollegen belächelte Marotte, mit der der einstige Hippie seinen Nonkonformismus ausdrückte, mag kurios klingen, aber nicht besonders aufregend. Doch was wäre, wenn der Blick auf Bertlmanns linke Socke festlegen würde, welche Farbe die rechte hat oder eben nicht? Was also, wenn die Beobachtung die Realität erst erschaffen würde?





