Jochen Erbacher von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat zusammen mit amerikanischen Kollegen einen Bohrkern untersucht, der im Westatlantik vor der Küste Floridas dem Meeresboden entnommen worden war. Die abgelagerten Sedimentschichten enthalten abgestorbene Meereslebewesen, die den Wissenschaftlern Rückschlüsse auf die chemische Zusammensetzung des Meeres in der Vergangenheit erlauben.
Die untersuchte sauerstoffarme Periode dauerte etwa 46.000 Jahre. Ein Vergleich mit anderen Bohrkernen ergab, dass sie den gesamten Nordatlantik und den westlichen Teil des Urozeans Tethys betraf. Die Tethys verlief zwischen den nördlichen Kontinentalblöcken Eurasiens und den südlichen Kontinenten Afrika, Indien und Australien die damals noch miteinander verbunden waren. Nachdem Afrika mit Eurasien kollidierte und die Alpen sowie das Himalaja entstanden war, blieb von Tethys nur das Mittelmeer übrig.
Man nimmt an, dass die Sauerstoffarmut des Ozeans, die im wesentlichen das Tiefenwasser betrifft, durch eine starke Vermehrung der Meereslebewesen im Oberflächenwasser eingeleitet wird. Wenn diese absterben, sinken sie nach unten. Ihre Verwesung verbraucht dann den Sauerstoff im Tiefenwasser.
Erbacher und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass während der sauerstoffarmen Periode vor 112 Millionen Jahre der vertikale Wasseraustausch vollkommen zum Erliegen kam. Es konnte also kein Sauerstoff nach unten transportiert werden. Die Ursache dafür vermuten die Forscher in einer vermehrten Süßwasserzufuhr aus den Flüssen – verursacht durch eine Klimaerwärmung und damit erhöhter Verdunstung und erhöhtem Niederschlag. Süßwasser ist leichter als Salzwasser und kann somit nicht nach unten sinken.
Verstärkt wurde die Erhöhung der Süßwasserkonzentration aber erst dadurch, dass Tethys und Teile des Nordatlantiks durch das Zusammendriften der Kontinente zunehmend in isolierte Becken zertrennt wurden. Eine Vermischung mit salzigerem Wasser wurde damit unterbunden.
Axel Tillemans





