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Kommunikation und Exkommunikation
Archäologie

Kommunikation und Exkommunikation

Die Päpste setzten oft Kleriker als Nachrichtenübermittler ein (Miniatur aus der Vita der heiligen Hedwig, 1353). picture alliance / Heritage Images

Am Beispiel des sogenannten Investiturstreits zwischen Papst Gregor VII. und dem römisch-deutschen König Heinrich IV. lässt sich zeigen, wie im Hochmittelalter Informationen ausgetauscht wurden – und wie öffentlich dieser Disput geführt wurde.
Autor
Redaktion
15. Mai 2026
Lesezeit
11 Minuten
Rubrik
Archäologie
Am Beispiel des sogenannten Investiturstreits zwischen Papst Gregor VII. und dem römisch-deutschen König Heinrich IV. lässt sich zeigen, wie im Hochmittelalter Informationen ausgetauscht wurden – und wie öffentlich dieser Disput geführt wurde.

Seit Otto von Bismarck auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung des soeben begründeten Deutschen Reiches mit der katholischen Kirche am 14. Mai 1872 im Reichstag ausrief: „Seien Sie außer Sorge, nach Kanossa gehen wir nicht, weder körperlich noch geistig!“ und die Abgeordneten laut Protokoll „Lebhaftes Bravo“ vernehmen ließen, gehört der mit Canossa verbundene Investiturstreit bis auf den heutigen Tag zum überschaubaren Grundbestand dessen, was im beharrlich nationalgeschichtlich dominierten Lehrplan der Schulen an mittelalterlichem Lehrstoff verblieben ist.

Noch immer gilt die seit 1073 eskalierende Auseinandersetzung zwischen Papst Gregor VII. (amt. 1073–1085) und Heinrich IV. (römisch-deutscher König seit 1056, Kaiser 1084–1105), die nur anfänglich ein Streit um die königlichen Rechte bei der Einsetzung von Bischöfen und damit ein „Investiturstreit“ im Wortsinn war, der Forschung als einschneidender Wendepunkt, an dem das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht geordnet und einem modernen säkularen Staat der Weg bereitet worden sei.

Einigen der überaus fleißigen Historiker des Historismus fiel allerdings bei diesem Leib- und Magenthema der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts auf, dass sich der Investiturstreit nicht nur im Zeichen des bismarckschen Kulturkampfs hervorragend aktualisieren und damit der eigenen Disziplin zu staatstragender Bedeutung verhelfen ließ, sondern dass die Ereignisse um Canossa auch als Indikator eines kommunikationsgeschichtlichen Wendepunkts gelten können.

Dies stellte 1894 der protestantische Kirchenhistoriker Carl Mirbt (1860–1929) in seiner noch heute unüberholten Studie zu den Streitschriften des Investiturstreits fest, und dies schien auch dem Mediävisten Carl Erdmann (1898–1945) unzweifelhaft, als er vor allem in den zur Verbreitung vorgesehenen Briefen Heinrichs IV. die „Anfänge der staatlichen Propaganda“ zu erkennen glaubte.

Der Streit wird über große Distanzen ausgetragen

Mirbt und Erdmann fragten sich, wie unter den Kommunikationsbedingungen des 11. Jahrhunderts großräumiger Austausch von widerstreitenden Meinungen möglich war – wo doch der jüngst verstorbene Jürgen Habermas in seiner Habilitationsschrift noch 1962 feststellen sollte, eine mit „öffentlicher Meinung“ verbundene „Öffentlichkeit“ habe es vor den ersten Erscheinungsformen des Frühkapitalismus im Italien des 13. Jahrhunderts nur als höfisch-ritterliche Repräsentation von Herrschaft gegeben.

Dass im Streit zwischen Papst und König eine große Zahl von Schreiben ausgetauscht wurde und dass auch beide Parteien brieflich Unterstützung suchten, ja, dass auch die Anhänger beider Seiten ihren Abstimmungsbedarf teilweise auf brieflichem Wege organisierten, dass sich auch eine große Zahl Gelehrter der in Blüte stehenden Domschulen mit eigenen Stellungnahmen für die eine oder die andere Seite beteiligte und diese Schriften über Schüler- und Gelehrtennetzwerke zirkulierten, dies steht außer Frage.

Bis heute fragt die Geschichtswissenschaft allerdings nur selten danach, ob einer der engagiertesten Anhänger Gregors VII. in Italien, Bonizo von Sutri, die Anteilnahme am Investiturstreit nicht maßlos übertrieb. Bonizo blickte ein Jahrzehnt später zurück auf einen ersten Kulminationspunkt der Auseinandersetzung im Februar 1076: Im Dezember 1075 hatte Gregor VII. in einem scharf formulierten Schreiben den König ermahnt, seinen Anordnungen zu folgen. Anstelle einer Rücknahme der Bischofseinsetzungen in Italien forderte dieser aber auf dem rasch für Januar 1076 einberufenen Wormser Hoftag den Papst zum Rücktritt auf, wobei er von einem großen Teil der Reichsbischöfe unterstützt wurde, die ihrerseits dem Papst den Gehorsam aufkündigten.

Nun ergriff Gregor VII. auf der römischen Fastensynode nach der Verlesung der Schreiben aus Worms durch Beauftragte des Königs drastische Maßnahmen: Die beteiligten Bischöfe wurden aus der Kirche ausgeschlossen und ihres Amtes enthoben, Heinrich IV. wurde ebenfalls exkommuniziert und als König abgesetzt. Über dieses Ereignis schrieb Bonizo: „Als die Exkommunikation des Königs dem Volk zu Ohren kam, da erbebte unser ganzer römischer Erdkreis.“

Wie „öffentlich“ wurde die Diskussion geführt?

Ist es denkbar, dass im Jahr 1076 die ganze lateinische Christenheit eine Öffentlichkeit bildete, die Anteil nahm an den Geschehnissen diesseits und jenseits der Alpen? Wie sollte dies möglich gewesen sein – in einer Zeit ohne Post, ohne Zeitung, ohne Telefon, ohne Radio und ohne Internet? In einer Zeit, in der die Mehrheit der Menschen im Lauf ihres Lebens einen geographischen Raum kannte, der kaum größer als 30 Kilometer war, in der Fernkommunikation zwingend an physische Übermittlung geknüpft und in der die Schrift als Informationsträger nicht nur an die Bewegung von Menschen im Raum geknüpft, sondern auch nur einer verschwindend geringen schriftkundigen Minderheit überhaupt zugänglich war?

Zunächst: Wenn wir Bonizo von Sutri gerecht werden wollen, müssen wir ihm zugutehalten, dass auch er seine vollmundige Behauptung sogleich einschränkt und bemerkt, tatsächlich habe nicht der ganze römische Erdkreis, aber doch die Öffentlichkeit auf beiden Seiten der Alpen Anteil an den Ereignissen genommen. Tatsächlich wurde außerhalb dieses Raumes auch in geistlichen Milieus kaum Notiz vom Streit zwischen Papst und Salierkönig genommen. Richtung und Reichweite der Nachrichtenübermittlung spielen allerdings eine untergeordnete Rolle, wenn wir danach fragen, wie sich in der Welt des Jahres 1076 die Übermittlung von Nachrichten vollzog und welche Bedeutung dies im Streit zwischen Papst und König besaß.

Zunächst müssen wir uns vergegenwärtigen, dass sich im Lateineuropa jener Zeit dynamische Entwicklungen vollzogen, die sich auch auf die Kommunikationsverhältnisse massiv auswirkten. Das hochmittelalterliche Klimaoptimum ermöglichte in Verbindung mit agrartechnischen Innovationen höhere Erträge, und erstmals seit dem Ende der Antike war es nun möglich, Agrarüberschüsse zu gewinnen. Anstelle einer reinen Subsistenzwirtschaft wurden mehr Nahrungsmittel produziert, als dies für die Ernährung der Erzeuger erforderlich war.

Mit diesem Potential rückte die lateinische Welt näher zusammen – stimuliert von Städten als neuen Konsumtionszentren intensivierte sich der Fernhandel nachweislich, ein Bildungsaufbruch verbreiterte die Basis einer schriftkundigen, wenn auch nach wie vor kleinen und weitgehend klerikalen Elite, und an vielen Zentren kam es aus unterschiedlichen Gründen zur Konzentration von Vermögen, wie dies noch heute an Burg- und Klosteranlagen, romanischen Kathedralen, Resten von Stadtummauerungen, prächtigen liturgischen Handschriften oder kostbaren Reliquiaren sichtbar ist.

Die gewachsene Mobilität brachte eine neue Infrastruktur hervor: Steinerne Brücken wurden in immer größerer Zahl errichtet, und der traditionellen Gastfreundschaft stellte sich ein kommerzielles Herbergswesen an die Seite. Ablesbar sind diese Entwicklungen auch an der zunehmenden Bedeutung von Wegzöllen und Flusszöllen sowie dem Aufkommen von Geleitzöllen, was vor allem als Reaktion auf einen zunehmenden Warenverkehr zu interpretieren ist.

Doch nicht nur kommerzielle Motive brachten Europa in Bewegung: Schriftliche Quellen und archäologische Zeugnisse einschließlich der Pilgerzeichen bezeugen eine wachsende Bedeutung von europäischen Fernpilgerzielen. Dazu zählten das Jakobsgrab in Galizien, die heiligen Stätten in Jerusalem, die Apostelgräber in Rom, aber auch der Monte Gargano in Apulien, wo der Erzengel Michael verehrt wurde. Hier liegen uns Indikatoren eines neuen, stark am Neuen Testament orientierten religiösen Eifers vor, der den Adel gleichermaßen erfasste wie die immer zahlreicheren Bewohner der Städte.

Um 1050 wurde mit dem Papstamt auch die Spitze der lateinischen Christenheit von dieser Rückbesinnung auf die Urkirche erfasst, und von diesem Vorgang gingen wichtige Impulse für unsere Frage in zwei Richtungen aus: Die tieferen Ursachen des Investiturstreits liegen in den Reformzielen, denen sich die Päpste nun vermehrt zuwandten und zu denen wesentlich auch das Zurückdrängen weltlicher Einflussnahme auf religiöse Belange gehörte.

Wichtiger in unserem Zusammenhang ist aber, dass zum Erreichen dieser Reformziele ein solch grundlegender Umbau der Kirchenverfassung erfolgte, dass wir erst von diesem Moment an von der Kirche als gefestigter Institution der mittelalterlichen Welt sprechen können. Dabei wurde die lateinische Christenheit nicht nur auf das Amt des Papstes als Universalbischof ausgerichtet, sondern auch die Päpste entwickelten innerhalb weniger Jahrzehnte Strukturen, die es ihnen ermöglichten, eine in der mittelalterlichen Welt einzigartige Wirkung in den Raum zu entfalten. Dabei kamen ihnen Mobilitätszuwachs und Verbesserungen in der Infrastruktur zugute.

Gregor VII., selbst von Reformeifer durchdrungen, trieb diese Entwicklungen zielgerichtet voran. Dies können wir auch den Abschriften seiner Briefe entnehmen, denn durch einen Glücksfall der Überlieferung ist sein Briefregister eines der ganz wenigen päpstlichen Register, die uns vor 1198 überhaupt erhalten sind. In dieses Auslaufregister ließ der Papst Briefe eintragen, die er während seiner Amtszeit verschickte, und auch wenn keineswegs alle Briefe Aufnahme fanden, bleibt mit über 400 Briefen und einem Durchschnitt von 36 erhaltenen Briefen pro Pontifikatsjahr eine stattliche Anzahl, die sich allerdings harmonisch in die leichte Steigerung der Zahl der überlieferten Papstbriefe zwischen 1050 und 1100 einfügt.

Bischöfe fungieren als Boten Gregors VII.

Eindrücklich ist auch die Adressatenliste, denn die Briefe richteten sich nicht nur an Bischöfe und weitere kirchliche Würdenträger, sondern auch an Herrscher in den heutigen Ländern Frankreich, Deutschland, Italien und England, an die Könige in Dänemark, Norwegen und Schweden, an den Herzog von Polen, die Könige von Russland, Ungarn, Serbien, Kroatien und Dalmatien, an den Kaiser in Konstantinopel, an den Patriarchen von Armenien, an Herrscher in Irland und sogar im islamischen Mauretanien.

Die Mehrzahl dieser Schreiben müssen wir uns im Gepäck eines von Rom entsandten Übermittlers vorstellen, manche freilich auch im Gepäck eines Bischofs, der sich auf dem Rückweg seines nun obligatorischen Pflichtbesuchs beim Papst befand.

Eine kommunikationsgeschichtliche Besonderheit offenbart das Epistolar Gregors VII.: Im Zuge des Investiturstreits tauchen erstmals in seinem Namen ausgestellte Enzykliken auf, die sich an eine größere Zahl von Empfängern richten. Bei alldem dürfen wir allerdings nicht außer Acht lassen, dass das uns erhaltene Material den tatsächlich stattgehabten Austausch zwischen dem Papst und der lateinischen Christenheit wohl nicht einmal annähernd abbildet.

Mündliche Botschaften sind für immer verloren

Dies ist nicht allein den wohl Hunderten oder gar Tausenden verlorener Briefe aus dem Pontifikat Gregors VII. zuzuschreiben, sondern geht auf den Umstand zurück, dass ein Großteil – und möglicherweise auch der bedeutungsvollere – dieser Kommunikation nach wie vor mündlich übermittelt wurde und damit für immer verloren ist. Immer wieder wird im Epistolar Gregors VII. in der Phase des Investiturstreits auf Informationen verwiesen, die der Überbringer des Briefes persönlich mitteilte.

Angesichts der zwingenden Notwendigkeit, geschriebene und mündlich übermittelte Kommunikation physisch zu übermitteln, befand sich Gregor VII. im Konflikt mit Heinrich IV. in einer deutlich besseren Ausgangslage. Auch wenn wir in vielen Fällen kaum wissen, wie ein Schreiben konkret den Weg zum Empfänger fand, so offenbart gerade dieser Papst ein geschärftes Bewusstsein für die praktischen Folgen seines Anspruchs, als Nachfolger Petri für die gesamte lateinische Christenheit Verantwortung zu tragen – denn die kommunikative Durchdringung dieses Raums war ja mit Mobilität und zwangsläufig damit auch mit Mobilitätskosten verbunden. Bereiste ein Bischof im Rahmen einer Visitation seine Diözese, so mussten seine Diözesanen für alle damit verbundenen Kosten aufkommen.

Gregor VII. beanspruchte diese gleichen Rechte für seinen gesamten Jurisdiktionsbereich und schloss dabei die päpstlichen Legaten als seine Stellvertreter mit ein, die ebenfalls überall in Lateineuropa Gastungsrechte geltend machen konnten und in nicht wenigen Fällen dabei nachweislich auch Schreiben überbrachten. In anderen Fällen werden allerdings Briefboten erwähnt, über deren Status und deren Mobilitätskosten keine Details in Erfahrung zu bringen sind.

Dass die Frage der Boten und deren Unterhalt auch für den Papst keine Lappalie darstellte, dies lässt sich etwa dem Umstand entnehmen, dass zwei hochrangige königliche Gesandte mit einem Schreiben Heinrichs IV. im Juli 1075 zum Papst entsandt wurden, wo sie im August eintrafen. Noch im September waren sie – ohne Zweifel auf eigene Kosten und auf Anordnung des Papstes – in Rom, um dann im Dezember 1075 sein erwähntes Mahnschreiben an Heinrich IV. mit der Maßgabe zu überbringen, dem Papst auch die Antwort des Königs zu übermitteln. Dieser Fall war beileibe kein Einzelfall, und der Papst nutzte ganz offensichtlich die mit seinem Amt verbundenen Vollmachten auch dazu, die Kosten seines Briefverkehrs, wenn irgend möglich, auf Dritte abzuwälzen.

Über die von Heinrich IV. versandten Briefe sind wir deutlich schlechter informiert – nicht zuletzt, weil es im fraglichen Zeitraum keine königliche Registerführung gab. Aus der ganzen Regierungszeit sind gerade einmal 42 Briefe erhalten – nicht einmal einer pro Jahr. Der deutsche König verfügte nicht annähernd über mit dem Papst vergleichbare Ressourcen raumüberwindender Kommunikation. Auch innerhalb der Reichsgrenzen dürfte der Salierherrscher nur dann zum Versand von Schreiben in der Lage gewesen sein, wenn er einen vom Hof finanzierten und mit entsprechenden Empfehlungsschreiben ausgestatteten Boten oder höherrangigen Bevollmächtigten aussandte.

„Falscher Mönch Hildebrand“: Der König provoziert den Papst

Schon die Zahl erhaltener Briefe ist ein Reflex der gering entwickelten Schriftlichkeit auch innerhalb des Hochadels und legt die Vermutung nahe, ein erheblicher Anteil der vom König ausgehenden Botschaften sei nur mündlich durch Boten übermittelt worden. Dennoch liegt uns vom März 1076 eine Zweitfassung seiner Rücktrittsforderung an Gregor VII. vor, die zwar an „den falschen Mönch Hildebrand“ adressiert, aber ausschließlich zur Weiterverbreitung gedacht war. In diesem Schreiben sah Carl Erdmann seinerzeit – wohlgemerkt im Jahr 1936 – den erwähnten Beginn staatlicher Propaganda.

In einem weiteren Rundschreiben, das Heinrich IV. zur Gewinnung der nachlassenden Unterstützung im Mai 1076 an die Bischöfe im Reich richtete, erfahren wir von einem Vorwurf, der uns quasi nebenbei Auskunft gibt über die Kommunikation Heinrichs mit dem Papst: Dieser habe die beiden Boten des Königs mit der Rücktrittsforderung – einen Kleriker aus Parma und einen engen Vertrauten des Königs – nicht nur eingekerkert und Hunger und Durst leiden, sondern auch schmählich durch die Stadt führen lassen.

Diese Episode lässt erahnen, welch tragende Bedeutung Boten in der Kommunikationswelt des Hochmittelalters zukam. Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass selbst am Hof des Papstes, wo das geschriebene Wort seit der Antike bruchlos gepflegt worden war, der Brief keineswegs das Monopol in der Kommunikation des Weltbischofs mit der Welt besaß. Botenstafetten in der Tradition des römischen cursus publicus waren längst vergessen und sollten erst Jahrhunderte später wiederentdeckt werden. In der Welt des 11. Jahrhunderts war noch allerorten zunächst der Bote selbst die Botschaft – mag er zusätzlich einen Brief aus seinem Reisesack gezogen haben oder nicht.

Die Dynamik des Hochmittelalters hatte die Kommunikationsverhältnisse zur Zeit des Investiturstreits noch nicht voll erfasst, und auch von einer Öffentlichkeit kann nur in bescheidenem Umfang die Rede sein. Dies änderte sich im 12. Jahrhundert, als sich die römische Kirche vollends zu einer raumübergreifenden Institution entwickelt hatte und etwa ein Papst Alexander III. nach der zwiespältigen Wahl von 1159 die gesamte kommunikative Fähigkeit der Papstkirche erfolgreich dazu nutzte, seine Ansprüche auf den Stuhl Petri durchzusetzen.

In der hier grob nachgezeichneten Kommunikationsgeschichte des Investiturstreits deuten sich diese grundlegenden Veränderungen bereits an. Aber auch ein Jahrhundert später wäre selbst ein Ereignis wie die Exkommunikation und Absetzung des Königs zunächst dem mit existentielleren Angelegenheiten befassten „römischen Erdkreis“ wohl lange verborgen geblieben: Agrargesellschaften entwickeln wenig Neigung zu öffentlichen Debatten.

Autor: Prof. Dr. Thomas Wetzstein

lehrt Mittelalterliche Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Literatur

Thomas Wetzstein, „Seine Schriften streute er über den Erdkreis“. Canossa – ein Wendepunkt in der Kommunikationsgeschichte?. In: Wolfgang Hasberg/Hermann-Josef Scheidgen (Hrsg.), Canossa. Aspekte einer Wende. Regensburg 2012, S. 112–123.
Claudia Zey, Der Investiturstreit. München 2017.

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