Fünf bis zehn Prozent aller roten Riesensterne im Kern eines Kugelsternhaufens könnten sich infolge einer Kollision mit freien Planeten in blaue Horizontalast-Sterne verwandeln. Das ist das Ergebnis einer Abschätzung, die Noam Soker von der Universität Haifa und seine Kollegen in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters (Bd. 563, S. 87) veröffentlicht haben.
Kugelsternhaufen sind Ansammlungen von Sternen, die in einem kugelförmigen Bereich über und unter der Milchstraßenebene angeordnet sind. Sie können aus mehreren Millionen Sternen bestehen. Im Zentrum dieser Haufen kann die Sterndichte tausendmal größer sein als in der Umgebung der Sonne.
Neuere Schätzungen, die aufgrund der Entdeckung von freien Planeten in diesen Haufen gemacht wurden, gehen davon aus, dass die Anzahl freier Planeten im Zentrum dieser Haufen die Anzahl der Sterne noch einmal um den Faktor 100 übertreffen könnte. Freie Planeten sind Planeten, die sich in keiner Umlaufbahn um einen Stern befinden.
Ausgehend von diesen Zahlen kommen Soker und seine Kollegen zu dem Schluss, dass fünf bis zehn Prozent aller roten Riesensterne im Kern dieser Sternhaufen im Laufe ihrer Lebensdauer einmal mit einem freien Planeten kollidieren. Im Durchschnitt würde dabei die Rotationsgeschwindigkeit der Hülle des Sterns verzehnfacht. Dadurch ? so vermuten die Forscher ? würde sich der Masseverlust des roten Riesen beschleunigen und er würde sich in einen blauen Horizontalast-Stern verwandeln. Anhand der Beobachtung von Kugelsternhaufen sollte ihre Theorie deshalb überprüfbar sein.
“Roter Riese” und “Horizontalast-Stern” sind Bezeichnungen, die im so genannten Hertzsprung-Russel-Diagramm den Entwicklungsstand eines Sterns kennzeichnen.
Axel Tillemans





