Ungewöhnliche Strategie: In Dürreperioden schlagen sich Australische Hüpfmäuse die Bäuche voll mit kohlenhydratreicher Nahrung ? und kommen so mehrere Wochen ohne Wasser aus.
Viele Tiere reagieren auf Dürre, indem sie weniger fressen und sich weniger bewegen als sonst, um Energie zu sparen. Ganz anders die Australische Hüpfmaus Notomys alexis: Die maximal 20 Zentimeter langen Nager fressen in Trockenzeiten sogar deutlich mehr. Ein japanisch-australisches Forscherteam hat nun untersucht, was hinter der gesteigerten Nahrungsaufnahme steckt. Das Team um Yoshio Takei von der University of Tokyo beobachtete über vier Wochen hinweg, wie viel die Tiere fraßen, wenn sie kein Wasser bekamen. Zudem wogen die Wissenschaftler die Tiere täglich.
Zunächst nahmen die Hüpfmäuse ? wie andere Tiere auch ? weniger Nahrung zu sich als sonst. Entsprechend reduzierte sich ihr Gewicht. Nach fünf Tagen stellte sich jedoch der gegenteilige Effekt ein und sie fraßen wieder mehr, nach etwa zwölf Tagen überschritten sie schließlich deutlich den sonstigen Tagesbedarf. Das Gewicht der Nager näherte sich währenddessen langsam dem ursprünglichen an. Hausmäuse ( Mus musculus) dagegen zeigten eine weniger spektakuläre Reaktion auf die Trockenzeit: Sie fraßen etwas weniger als sonst, und nahmen leicht an Gewicht ab ? ein Indiz dafür, dass sich Hüpfmäuse im Gegensatz zu den Hausmäusen an die wasserlosen Zeiten anpassen.
Das funktioniert den Wissenschaftlern zufolge vermutlich so: In Dürreperioden decken die Hüpfmäuse ihren Wasserbedarf wohl zunächst aus den körpereigenen Fettreserven. Das erkläre den Gewichtsverlust in den ersten Tagen ohne Wasser, sagt das Team. Bleibt es über einen längeren Zeitraum trocken, stellen die Tiere ihren Stoffwechsel dann um und gewinnen Flüssigkeit aus kohlenhydratreicher Nahrung. Denn aus Stärke kann der Organismus effektiver Wasser und Energie gewinnen als aus Fett.
Die Voraussetzung für den veränderten Stoffwechsel schaffen laut den Forschern zwei Hormone: Leptin und Ghrelin. Während Leptin das Hungergefühl hemmt, regt Ghrelin es an. Bereits nach wenigen trockenen Tagen sinkt der Leptin-Spiegel im Blut der Hüpfmäuse, der Ghrelin-Spiegel dagegen steigt ? die Tiere entwickeln also einen größeren Appetit und fressen entsprechend mehr. Anstatt Fett lagern sie in der Leber mehr Kohlenhydrate ein, aus denen sie wiederum Wasser ziehen.
Notomys alexis ist die erste Art, an der diese Anpassung an trockene Regionen nachgewiesen werden konnte. Bekannt ist schon eine Weile, dass die Nager dem Körper so wenig wie möglich Flüssigkeit entziehen. So reduzieren sie beispielsweise den Wasseranteil in Urin und Fäkalien und kühlen die Luft vor dem Ausatmen in der Nase ab, so dass die Feuchtigkeit im Rachen kondensiert und im Organismus bleibt. Takei und seine Kollegen glauben, dass ihre Erkenntnisse neue Ansätze für klinische Studien zu Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen beim Menschen anstoßen.
Yoshio Takei (University of Tokyo) et al.: Proceedings of the Royal Society, doi: 10.1098/rspb.2011.2627 © wissenschaft.de ? Marion Martin





