Steigender Meeresspiegel
Die aktuelle Untersuchung zeigt dem Team zufolge aber erstmals, dass die ungebrochene Nutzung fossiler Brennstoffe auch den viel größeren Ostantarktischen Eisschild gefährdet. „Den Eisverlust des Westantarktischen Eisschilds können wir vielleicht schon gar nicht mehr aufhalten”, so Koautor Anders Levermann. „Um Städte wie Tokyo, Hongkong, Shanghai, Hamburg oder New York für unsere Erben bewahren zu können, müssen wir verhindern, dass wir diesen Punkt auch in Ostantarktika erreichen.”
Für ihre Prognose haben die Forscher ein komplexes Modell entwickelt, das verschiedene Faktoren wie Treibhausgasemissionen, Atmosphären- und Ozeanerwärmung betrachtet, um die Zukunft des Eisschilds zu simulieren. Dabei rechneten sie auch Variablen mit ein, die das Abschmelzen unter Umständen ausgleichen könnten – zum Beispiel eine klimawandelbedingte Zunahme von Schneefall. Diesen Berechnungen zufolge würde das Verbrennen aller auf der Erde verfügbaren Kohle-, Gas- und Ölreserven 10.000 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid-Emissionen verursachen – und in einem Zeitraum von mehreren tausend Jahren sämtliches Eis von Antarktika verschwinden lassen. Damit würden Wassermengen frei, durch die der Meeresspiegel um 50 bis 60 Meter anstiege, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Science Advances.
Heimat unter Wasser?
Werden fossile Brennstoffe in Zukunft so weiter genutzt wie bisher, wird der Westantarktische Eisschild schon in 60 bis 80 Jahren seine Reststabilität eingebüßt haben. Zum Ende dieses Jahrtausends könnte der Anstieg des Meeresspiegels dem Modell zufolge dann schon um die 30 Meter betragen.
Weniger katastrophal fällt die Prognose aus, wenn man annimmt, dass das viel zitierte Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden kann. Das sieht vor, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung zu begrenzen. In diesem Fall würde der Meeresspiegel lediglich um wenige Meter ansteigen und kontrollierbar bleiben. Mit jedem Zehntel Grad Erwärmung mehr steige jedoch das Risiko eines totalen Eisverlusts, so die Forscher. Ihr warnendes Fazit: „Wenn wir nicht schnell damit aufhören, CO2 in die Atmosphäre zu schleudern, wird eines Tages die Heimat von über einer Milliarde Menschen unter Wasser stehen.”





