Verräterische Kleb-Tentakel
Zwei Blättchen eines urzeitlichen Vertreters dieser ungewöhnlichen Pflanze haben Forscher nun in einem Stück Bernstein aus einem Tagebau bei Kaliningrad in Russland entdeckt. In dem 35 bis 47 Millionen Jahre alten Bernstein fanden sich zwei schmale, knapp fünf Millimeter lange Blättchen, die dicht mit dünnen Borsten besetzt waren. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich als Drüsenhaare. “Auffällig sind die mehrzelligen Drüsen mit langem Stiel, die sogenannten Tentakeln, die die Blattunterseite und die Blattränder der Fossilien bedecken”, erläutert Erstautorin Eva-Maria Sadowski von der Universität Göttingen. Anhand der Ausprägung dieser Tentakel und weiterer morphologischer Details konnten die Forscher diesen Fund der Roridula-Pflanze zuordnen.
“Dieses Fossil aus baltischem Bernstein ist unseres Wissens nach das älteste dokumentierte Fossil einer fleischfressenden Pflanzenfalle”, konstatieren die Forscher. Bisher beschränkte sich der fossile Nachweis fleischfressender Pflanzen auf Samen und Pollen von Sonnentaugewächsen. Der Fundort dieser heute nur in Südafrika heimischen Pflanzengattung gibt allerdings einige Rätsel auf, wie die Wissenschaftler erklären. Denn bisher nahm man an, dass die Vorfahren von Roridula vor rund 90 Millionen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent entstanden waren, auf der Nordhalbkugel also nie vorkamen. Das Bernsteinfossil belegt aber nun eindeutig, dass diese fleischfressende Pflanze einst auch die nährstoffarmen Küstenböden im Baltikum besiedelte. Demnach müssen die Vorfahren der heutigen Roridula-Pflanzen einst weiter verbreitet gewesen sein als man bisher annahm. Zumindest vor 35 bis 47 Millionen Jahren gab es sie offensichtlich noch auf der Nordhalbkugel. Warum sie von dort verschwanden, ist aber noch ungeklärt.





