Die Lava, die aus den Hawaii-Vulkanen fließt, enthält keine Beimischung aus dem Erdkern. Damit sei eine lebhafte Debatte der Geowissenschaften entschieden, verkünden Forscher von der University of Bristol diese Woche im Wissenschaftsmagazin Nature (Bd. 427, S.234).
Einige Vulkane auf der Erde, zum Beispiel auf den Hawaii-Inseln, auf der Insel Réunion im Indischen Ozean oder die Feuerberge von Island, werden von Magma aus großen Tiefen im Erdinneren gespeist. Theorien zufolge steigt heißes Material im Erdmantel in einem pilzförmigen Plume nach oben. Das heiße Material bahnt sich dann wie ein Schneidbrenner einen Weg durch die Erdkruste, wobei fern der Grenzen der tektonischen Platten Vulkane entstehen. Sie werden als ?Hotspots? bezeichnet.
Seit einiger Zeit gibt es einen Streit unter den Geowissenschaftlern, ob die Wurzeln der Hotspots bis zum Erdkern reichen. In diesem Fall könnte ihre Lava Material aus dem Erdkern enthalten, erkennbar an bestimmten metallischen Elementen und einer besonderen Isotopenzusammensetzung. Bislang hatten Forscher sich auf das Edelmetall Osmium konzentriert und Hinweise auf eine Beimischung von Kernmaterial in der Lava von Hotspots erhalten.
Anders Scherstén und Kollegen untersuchten jetzt ein bestimmtes Isotop des Metalls Wolfram, das Theorien zufolge im Erdkern wesentlich seltener ist als im Erdmantel. Sie konnten jedoch keinen Unterschied zwischen dem Wolfram-Gehalt von Gestein aus Hawaii und von so genannten Kimberliten aus Diamant-Fundstätten in Südafrika im Vergleich zum Durchschnittswert von Erdkrustengesteinen feststellen.
Sie schließen daraus, dass der Erdkern seit seiner Entstehung in den ersten 60 Millionen Jahren nach der Geburt der Erde vom Rest des Planeten isoliert war. Eine andere mögliche Erklärung für die Messungen besteht darin, dass sich der Kern wesentlich schneller bildete und daher eine andere Zusammensetzung an Spurenelementen hat als bislang angenommen.
Ute Kehse





