Das Zentrum der Milchstraße gehört zu den sternreichsten Bereichen des Universums. Im Umkreis von rund 26 Lichtjahren um das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* gibt es mindestens 20 Millionen Sterne. Die gesamte zentrale Zone reicht mehr als 300 Lichtjahre hinaus und umfasst weitere sternreiche Gebiete und dichte Gas- und Staubwolken. „Die zentrale molekulare Zone beherbergt einige der massereichsten Sterne unserer Heimatgalaxie, von denen viele ein kurzes Leben haben und ihr Leben in gewaltigen Supernova-Explosionen oder sogar Hypernovae beenden“, erklärt Erstautor Steve Longmore von der Liverpool John Moores University in Großbritannien. Der dort besonders schnelle Zyklus von Sternenentstehung und -ende und die damit verbundenen Materieströme prägen die stellare Population der Milchstraße weit über den galaktischen Kern hinaus. „Der Balken und andere großskalige stellare Strukturen, aber auch Molekülwolken und Sternbildungs-Komplexe entwickeln sich aus diesen Strömungen und Zyklen“, schreiben die Astronomen.
Kartierung molekularer Gase im MIlchstraßenzentrum
„Die zentralen Bereiche von Galaxien sind der Schlüssel, um ihre Entwicklung zu verstehen“, so Longmore und seine Kollegen. „Das Zentrum der Milchstraße ist der einzige galaktische Kern, für den wir die Physik der Sternbildung und ihre Auswirkungen bis auf einzelnen protostellare kerne hinunter verfolgen können.“ Bisher gab es zwar schon Aufnahmen und Daten von einzelnen Aspekten des Milchstraßenzentrums. Aber vor allem die Daten von Radioteleskopen, die für die Kartierung der Gas- und Staubströme wichtig sind, waren meist zu niedrig aufgelöst. Andere Beobachtungen zeigten zwar einzelne Gaswolken in allen Details, aber nur einen kleinen Ausschnitt des galaktischen Kerns. Deshalb haben die Astronomen nun die leistungsstarken Antennen des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile genutzt, um die Verteilung von kühleren molekularen Gasen im Milchstraßenzentrum zu untersuchen. Die ACES-Durchmusterung, kurz für ALMA CMZ Exploration Survey, hat dafür die gesamte, rund 650 Lichtjahre große zentrale Molekülzone unserer Galaxie kartiert.
Die resultierende Mosaik-Aufnahme ist das größte je mit dem ALMA-Array erstellte Bild. Es zeigt einen Himmelsausschnitt, der so groß ist wie drei nebeneinander liegende Vollmonde. Noch wichtiger aber ist die hohe Auflösung dieser Kartierung: Sie zeigt Gasstrukturen in Größenskalen von Dutzenden von Lichtjahren bis hinunter zu kleinen Gaswolken um einzelne Sterne. „Das Spektrum von ACES ist zudem darauf ausgelegt, 71 verschiedene spektrale Merkmale und Bandbreitengetrennt zu erfassen, um die physikalischen, chemischen und kinematischen Bedingungen aufzuzeichnen“, erklären Longmore und sein Team. Es ist das erste Mal, dass das kalte Gas im in der gesamten zentralen Molekülzone so detailliert untersucht wurde.





