Eine unschöne Verletzung trug ein Fischsaurier der Gattung Platypterygius wahrscheinlich bei einem Kampf mit einem Artgenossen davon: Das Tier, das vor 120 Millionen Jahren im heutigen Südaustralien lebte, wurde in den Unterkiefer gebissen, berichten Maria Zammit und Benjamin Kear in der Zeitschrift Acta Palaeontologica Polonica. An den versteinerten Knochen ist aber zu sehen, dass die Wunden verheilten. Das Meeresreptil lebte nach dem Malheur also offenbar noch einige Zeit weiter, berichten die Forscher.
Fischsaurier waren Meeresreptilien, deren Körperbau dem heutiger Delfine ähnelte. Die Gattung Platypterygius wurde etwa fünf bis sechs Meter lang und ernährte sich von Fischen und Tintenfischen. Die Tiere besaßen gut hundert Zähne, die denen von Krokodilen glichen. Bislang waren von Fischsauriern kaum Fossilien mit Bissmarken bekannt. Aus dem geringen Abstand der Wunden schließen die Forscher, dass der Fischsaurier vermutlich nicht Opfer einer Raubtier-Attacke wurde. In dem australischen Binnenmeer schwammen zwar fürchterliche Meeresdrachen, die bis zu zehn Meter langen Kronosaurier, herum. Deren Bisse hätten aber weit tiefere Wunden verursacht, schreiben die Forscher.
Zudem zielte der Angriff offenbar nicht auf lebenswichtige Körperteile. Daraus schließen die Forscher, dass es sich wahrscheinlich um einen Kampf von Rivalen der gleichen Art handelte, bei dem es um die Partnerwahl, Gebietsansprüche oder Beute ging. “Solche pathologischen Spuren in Fossilien geben uns einen einmaligen Einblick in das Leben und das Sozialverhalten ausgestorbener Tierarten”, freut sich Co-Autor Benjamin Kear.
Der Lebensraum der Fischsaurier war ein flaches Eismeer: Australien war während der Kreidezeit noch mit der Antarktis verbunden und lag weiter südlich als heute, die Fundstätte befand sich südlich des Polarkreises. Kear vermutet, dass die Meeresreptilien nur im Sommer in dieses Meer kamen, weil es dort reichlich Nahrung gab.
Maria Zammit (University of Adelaide) und Benjamin Kear (Uppsala Universität): Acta Palaeontologica Polonica im Druck, doi:10.4202/app.2010.0117 wissenschaft.de – Ute Kehse