Marra und seine Kollegen berechneten nun, welche Auswirkungen es auf Lichtteilchen hat, wenn das Universum aussieht wie ein Schweizer Käse ? wenn es darin also riesige Blasen ohne Materie gibt. Bislang wird angenommen, dass Sterne und Galaxien auf einer Skala von hundert Millionen Jahren gleichmäßig über das Weltall verteilt sind. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Wellenlänge des Lichts in solchen riesigen Löchern verzerrt wird. Der Effekt sei ganz ähnlich wie die Auswirkung, die dunkle Materie auf das Licht hat. Allerdings sei die Auswirkung der Löcher nicht groß genug, um die dunkle Materie komplett wegzuerklären, sagt Co-Autor Sabino Mattaresse im Wissenschaftsmagazin New Scientist: “Unser Modell ist noch nicht völlig ausgereift,” gesteht der Forscher ein. Aber bis es gelinge, die Natur der dunklen Energie zu ergründen, sei es sinnvoll, auch andere Erklärungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen ? etwa die, dass das Weltall anders aussieht als bislang angenommen. Erst kürzlich entdeckte ein anderes Forscherteam tatsächlich einen gewaltigen kosmischen Hohlraum mit einem Durchmesser von einer Milliarde Lichtjahren.
Das Weltall scheint sich immer schneller aufzublähen ? ein Phänomen, das die meisten Astronomen bislang einer rätselhaften Kraft namens Dunkler Energie zuschreiben. Alles Täuschung, sagt nun ein italienisches Kosmologen-Team: Nach Meinung von Valerio Marra und seinen Kollegen gibt es keine beschleunigte Expansion. Die Forscher nehmen stattdessen an, dass die Materie im Weltall äußerst unregelmäßig verteilt ist, und zwar wie in einem löchrigen Schweizer Käse.
Schon seit Jahren stehen Astronomen vor einem großen Dilemma: Der größte Teil von Materie und Energie im Weltall sind unsichtbar. Nur die Auswirkungen der rätselhaften Kräfte sind zu sehen: Die Beobachtung des Lichtes ferner Supernova-Explosionen zeigt zum Beispiel, dass sich das Weltall anscheinend immer schneller ausdehnt. Die Kraft, die Sterne und Galaxien auseinandertreibt, wird als Dunkle Energie bezeichnet. Nach derzeitigem Kenntnisstand macht sie etwa drei Viertel aller Energie im Weltall aus.
Valerio Marra (Universität von Padua) et al.: Online-Veröffentlichung, astro-ph/0708.3622 Ute Kehse





