von THORSTEN DAMBECK
Er ist der unangefochtene Herrscher unter den Planeten: Jupiter. Mit 318 Erdmassen übertrifft er die gesamte Masse aller anderen planetaren Körper im Sonnensystem um mehr als das Doppelte. Auch sein Gefolge ist beträchtlich: Momentan sind 79 Monde bekannt – nur Saturn kann ihn mit 82 toppen.
Doch der Riese hat einmal klein angefangen. Astronomen haben herausgefunden: Als er noch ein Planetenembryo war, stockte sein Wachstum zeitweise. Und später überstand er anscheinend einen enormen Crash mit einem anderen Urplaneten, allerdings nahm er dabei innerlich beträchtlich Schaden.
Mit aktuellen Analysen stellen Forscher die gängigen Vorstellungen von Jupiters Entstehung auf den Prüfstand. Laut der Kern-Akkretions-Theorie war sein Geburtsort eine Scheibe aus Staub und Gas rund um die junge Sonne. Diese Materie war bei der Bildung des Sterns übriggeblieben. Grob skizziert war das ein zweistufiger Prozess:
Die Geburt des Riesen
Doch schon 2017 zeigten Messungen einer Forschergruppe um Thomas Kruijer von der Universität Münster, dass die Geburt des Riesen weitaus komplizierter war. Demzufolge gab es im frühen Sonnensystem zwei chemisch unterschiedliche Populationen von Urkörpern. Fernab der Sonne enthielten sie Kohlenstoff, näher am Zentralgestirn nicht. Man kann sich diese Planetesimale ähnlich wie die kleineren Körper im heutigen Planetoidengürtel vorstellen, allerdings mit einem Eisenkern.
Auf diese Zweiteilung waren die Forscher durch chemische Analysen von Eisenmeteoriten gestoßen. Sie gelten als Fragmente der Metallkerne der urtümlichen Planetesimale. Die Isotopenanalysen der Forscher zeigen, dass die Formierung dieser Urkörper zu unterschiedlichen Zeiten erfolgte: Dazwischen liegen im Schnitt rund 500.000 Jahre. Der wachsenden Jupiter nährte sich von beiden Urkörpertypen.
Astrophysiker der Universität Bern um Yann Alibert haben 2018 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy weitere Details über Jupiters Geburtsprozess publiziert. Ihr Modell baut auf den Münsteraner Analysen auf. Die Forscher gehen davon aus, dass der Urjupiter eine Barriere bildete: Der Planet störte die Staubscheibe derart, dass die Brocken außerhalb seiner Umlaufbahn gefangen waren. Die Folge: Die Materie dort konnte sich nicht mit der Materie weiter innen vermischen.





