In der turbulenten Atmosphäre des Planeten Jupiter hat sich ein dritter roter Fleck entwickelt. Er befindet sich westlich von seinen beiden Brüdern auf etwa demselben Breitengrad und ist der kleinste der drei Flecken, fanden amerikanische Wissenschaftler anhand von Bildern der Teleskope Hubble und Keck heraus.
Die roten Flecken zählen zu den auffälligsten Erscheinungen in der Atmosphäre des Jupiter ? der größte von ihnen war bereits vor über 300 Jahren mit den damaligen Teleskopen zu erkennen. Sie entstehen, wenn sich ein Sturmsystem ähnlich dem eines Hurricanes auf der Erde bildet. Dabei wird Material aus tiefergelegenen Schichten nach oben gesaugt. Dort erhält es durch das ultraviolette Licht der Sonne eine rötliche Farbe, vermuten die Forscher. Auch der neue rote Fleck war zuvor ein weißer Wirbelsturm. Erst durch den Aufstieg in die Höhen der anderen beiden roten Flecken färbte er sich rötlich.
Wenn sich die roten Flecken weiterhin mit ihrer derzeitigen Geschwindigkeit fortbewegen, treffen der große und der kleine Fleck im kommenden August aufeinander und werden dann entweder miteinander verschmelzen oder sich gegenseitig abstoßen. Durch die neuen Bilder der Jupiteratmosphäre sehen die Wissenschaftler eine Hypothese unterstützt, nach der auf dem Planeten ein Klimawandel stattfindet: Die Atmosphäre wird insgesamt wärmer, nur am Südpol nimmt die Temperatur etwas ab.
Auch der erst 2006 in der Jupiteratmosphäre aufgetauchte kleine rote Fleck sorgt für Aufmerksamkeit. Hier beobachtete ein weiteres Forscherteam die höchsten Windgeschwindigkeiten, die jemals auf einem Planeten gemessen wurden: Die Wissenschaftler maßen auf dem Planeten Geschwindigkeiten von rund 600 Kilometern pro Stunde.
Mitteilung der Universität Berkley Andrew Cheng (Johns-Hopkins-Universität, Laurel) et al.: Astronomical Journal, DOI: 10.1088/0004-6256/135/6/2446 ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker