Bislang konnten die Astronomen jedoch keine Spur der ursprünglichen Materie finden. Selbst die ältesten bekannten Sterne enthalten bereits gewisse Mengen der schweren Elemente, die die Astronomen Metalle nennen. Fumagalli und seine Kollegen spalteten nun das Licht von zwei Quasaren ? sehr hellen, weit entfernten und damit uralten Objekten ? mithilfe eines Instruments auf dem Keck-Teleskop in Hawaii in seine verschiedenen Farben auf. In diesen Spektren konnten sie sehen, welche Wellenlängen des Lichtes von ansonsten unsichtbaren Gaswolken abgefangen wurden, die zwischen den Quasaren und der Erde liegen. ?Die Absorptionslinien zeigen uns, welche Zusammensetzung das Gas hat?, sagt Fumagalli.
Das Ergebnis: Die Gaswolken bestehen nur aus Wasserstoff und seinem schweren Isotop Deuterium. ?Helium können wir mit unserem Instrument nicht erkennen, aber wir würden erwarten, dass es ebenfalls vorhanden ist?, sagt Fumagalli. Den Messungen zufolge sind die Gaswolken etwa zwölf Milliarden Jahre alt, sie existierten somit etwa zwei Milliarden Jahre nach dem Urknall. Bislang hatten Astronomen angenommen, dass die ersten Sterne und Galaxien zu diesem Zeitpunkt schon so viele schwere Elemente erzeugt hatten, dass sämtliche Materie im Universum damit kontaminiert war. ?Bislang hatte man gedacht, dass wir keine Materie sehen können, deren Metallgehalt weniger als ein Tausendstel des Metallgehaltes der Sonne beträgt?, berichtet Fumagalli. ?Unsere Entdeckung war also unerwartet, sie stellt die Ideen darüber infrage, wie sich die Elemente im Universum verteilt haben.?
In einer parallel dazu erscheinenden zweiten Studie berichtet ein japanisch-amerikanisches Forscherteam, dass die Produzenten der Metalle ? die allerersten Sterne ? nicht so schwer waren wie bislang angenommen. Da sie fast nur aus Wasserstoff bestanden, konnten sie nach bisheriger Ansicht das Tausendfache der Sonnenmasse erreichen. Takashi Hosokawa und Kollegen kommen nun durch Computersimulationen zu dem Ergebnis, dass auch reine Wasserstoff-Sterne höchstens gut 40 Sonnenmassen schwer werden können. Als sie auf diese Größe angeschwollen waren, strahlten sie bereits enorme Mengen Licht ab. Diese Strahlung blies wiederum die Scheibe aus Wasserstoffgas weg, aus denen die Ur-Sterne ihr Wachstum speisten. In einigen Ausnahmefällen könnten allerdings doch Monster mit dem Hundertfachen der Sonnenmasse herangewachsen sein. Womöglich bildeten diese Riesensterne den Keim für die superschweren Schwarzen Löcher, die sich im Kern aller heutigen Galaxien befinden.





